Kopfschmerzen und Migräne

Kopfschmerzen sind häufig banal, es kann aber auch eine schwerwiegende Ursache zugrunde liegen

TEXT: Dr. Alexander Vögtli, Apotheker

Kopfschmerzen sind häufig banal, es kann aber auch eine schwerwiegende Ursache zugrunde liegen. Es ist wichtig, dass Schmerzmittel nicht unkritisch und regelmässig für die Behandlung konsumiert werden.

Kopfschmerzen sind unangenehme Schmerzen im Kopf oder im Gesicht, die meistens als drückend, pochend, stechend und pulsierend beschrieben werden. Es existieren sehr viele unterschiedliche Typen. Die zwei wichtigsten sind die Spannungskopfschmerzen und Migräne. Die Beschwerden treten wahrscheinlich bei jedem Menschen während des Lebens einmal auf, wobei einige Patientinnen und Patienten regelmässig bis täglich davon betroffen sind.

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden und sind oft harmlos. Dabei geht jedoch leicht vergessen, dass sie auch ein Ausdruck einer schweren Krankheit sein können, zum Beispiel eines Hirntumors, einer Hirnblutung, einer schweren Infektion oder einer akuten Bluthochdruckkrise. Deshalb soll immer nachgefragt werden. Eine hohe Intensität, neue Beschwerden, ein steifer Nacken, Begleitsymptome sowie neurologische Störungen wie Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen deuten auf solche Ursachen hin und es ist eine ärztliche Kontrolle erforderlich.

Die Migräne hat einen schweren Verlauf. Sie kündigt sich mit Vorboten und einer Aura an. Sie ist typischerweise einseitig, wird von Übelkeit und Erbrechen begleitet und zeichnet sich durch eine starke Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen aus.

Die Veranlagung für Kopfschmerzen kann vererbt werden und deshalb sind häufig mehrere Mitglieder einer Familie betroffen, also etwa die Mutter und ihre beiden Töchter.

Schmerzmittel sollten nicht
unkritisch und regelmässig
eingenommen werden.

Medikamente

Für die Behandlung von Kopfschmerzen werden sehr häufig Schmerzmittel aus verschiedenen Gruppen eingenommen. Zu den wichtigsten Wirkstoffen gehören Ibuprofen, Paracetamol, die Acetylsalicylsäure, Naproxen und Diclofenac.

Dabei ist ein rascher Wirkungseintritt erwünscht, um die Schmerzen baldmöglichst zu lindern. Die gängigen OTC-Arzneimittel wirken etwa innerhalb einer halben Stunde. Dies trifft nicht auf Naproxen zu, das die maximale Plasmakonzentration erst etwa nach einer Stunde erreicht. Auch Ibuprofen benötigt dafür eine bis zwei Stunden. Deshalb ist entscheidend, dass immer ein Ibuprofen-Salz wie Ibuprofenlysinat, -arginat oder -Natrium verwendet wird, deren Effekt wesentlich schneller eintritt. Der Grund liegt in der besseren Wasserlöslichkeit. Metamizol und die Mefenaminsäure eignen sich nur bedingt für die Akutbehandlung von Kopfschmerzen, weil sie langsam in den Blutkreislauf gelangen. Natürlich ist das Ansprechen auf Medikamente individuell.

Schmerzmittel sind im Allgemeinen gut wirksam und beseitigen die Beschwerden rasch. Sie bergen allerdings darüber hinaus verschiedene Risiken. Dazu gehören allergische Reaktionen wie Hautausschläge, Atemprobleme und Ödeme. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen gelegentlich bis häufig vor. Die Acetylsalicylsäure und die nichtsteroidalen Antirheumatika begünstigen zudem das Auftreten von Blutungen, vor allem bei einer Veranlagung oder bei der gleichzeitigen Verabreichung von Antithrombotika. Sie schädigen bei einer regelmässigen Anwendung die Organe wie den Magen, die Leber und Niere.

Eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen und Migräne kann selbst einen chronischen Kopfschmerz verursachen, der täglich oder fast täglich auftritt: Es entsteht ein Teufelskreis und eine Abhängigkeit vom Schmerzmittel. Häufig bedeutet in diesem Zusammenhang an 10 bis 15 Tagen pro Monat.

Aus den genannten Gründen sollen Schmerzmittel zurückhaltend und mit Vorsicht verwendet werden. Es lohnt sich, andere Behandlungsmethoden auszuprobieren.

Dazu gehören zum Beispiel die Einnahme von Magnesium als vorbeugende Massnahme und die Verwendung von ätherischen Ölen, die auf die Schläfen appliziert werden. Wärme oder Kälte können sich genauso positiv auswirken. Die bekannten Ursachen und Auslöser sollen angegangen werden, zum Beispiel Rauchen, Schlafmangel und Schlafstörungen, Hormonveränderungen oder Stress.

Coffein verstärkt den Effekt der Schmerzmittel und kann gegen Kopfschmerzen helfen. Allerdings kann es bei Menschen, die davon abhängig sind, bei einem akuten Entzug ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.

Behandlung der Migräne

Für die Behandlung der Migräne stehen neben den bekannten Schmerzmitteln weitere und modernere Medikamente zur Verfügung. Zum einen die Triptane wie Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan, welche die Blutgefässe verengen, entzündungsfördernde Neuropeptide hemmen und die Schmerzleitung reduzieren.

In den vergangenen Jahren sind mehrere neue Medikamente in den Handel gelangt, die das Neuropeptid CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) blockieren, das wesentlich an der Entstehung der Migräne beteiligt ist. Diese Wirkstoffe werden als CGRP-Inhibitoren und CGRP-Rezeptor-Antagonisten (Gepante) bezeichnet und sie sind für die Vorbeugung und teilweise auch für die Akutbehandlung zugelassen. Hier lohnt sich ein Therapieversuch. Weil die Medikamente neu und keine Generika im Handel erhältlich sind, sind die Therapiekosten aktuell noch vergleichsweise hoch und eine Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung muss vorgängig abgeklärt werden.

Für die Vorbeugung wird auch das Vitamin Riboflavin (Vitamin B2) verwendet. Es wird in einer sehr hohen Dosis von 100 bis 400 mg in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen. Weil in der Schweiz keine entsprechenden Fertigarzneimittel im Handel sind, werden die Medikamente in Apotheken und Labors hergestellt. Riboflavin verfärbt den Urin gelb bis orange, was aber ungefährlich ist. Die Patientinnen und Patienten müssen jedoch auf diesen Umstand hingewiesen werden.

Foto: ©Farknot Architect/AdobeStock

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