Beschwerden bei Säuglingen
Einige der wichtigsten gesundheitlichen Beschwerden, die bei Säuglingen auftreten
Autor: DR. ALEXANDER VÖGTLI, APOTHEKER
Um die Eltern optimal beraten zu können, finden Sie in diesem Artikel einige der wichtigsten gesundheitlichen Beschwerden, die bei Säuglingen auftreten.
Im ersten Lebensjahr können bei Neugeborenen und Säuglingen typische gesundheitliche Beschwerden vorkommen. Dazu gehören Magen-Darm-Störungen, Hauterkrankungen und Infektionskrankheiten. Um die Eltern in der Apotheke optimal beraten zu können, haben wir einige der wichtigsten für Sie zusammengefasst.
«Koliken belasten oft das ganze
Familienleben – das Wissen um
lindernde Mittel kann entlasten.»
Dreimonatskoliken
Die Dreimonatskoliken sind Bauchkrämpfe, die in den ersten Wochen nach der Geburt beginnen und mehrere Monate anhalten. Sie kommen vor allem am Nachmittag und am Abend vor. Die Babys schreien während Stunden und sind nur schwer zu beruhigen. Bevor mit der Behandlung begonnen wird, müssen andere Ursachen wie beispielsweise eine Verstopfung oder eine Milchzuckerunverträglichkeit ausgeschlossen werden. Die Eltern sollen das Kind so gut wie möglich zu beruhigen versuchen. Auch Wärme oder eine leichte Bauchmassage können helfen. In Apotheken können Simeticon-Tropfen, Probiotika, Tees und alternativmedizinische Mittel wie Chamomilla abgegeben werden. Das Vier-Winde-Öl oder Bäuchleinöl wird äusserlich aufgetragen. Es wird in der warmen Hand erwärmt und im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel eingerieben.
Durchfall und Verstopfung
Bei Durchfall besteht bei Säuglingen die Gefahr einer lebensgefährlichen Dehydratation mit einem starken Verlust an Wasser und Elektrolyten. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die orale Rehydratationslösung (ORS) das Mittel der ersten Wahl für die Behandlung ist. Häufig verwendet werden auch Probiotika mit Bakterien oder Hefepilzen.
Bei einer akuten Verstopfung ist ein Einlauf eine einfache und schnelle Methode für die Behandlung. Der Vorteil im Vergleich mit den Zäpfchen ist, dass die Flüssigkeit den harten Stuhl zusätzlich aufweicht. Die Effekte treten sofort oder mit einer Verzögerung von einigen Minuten ein. Bei chronischen Beschwerden wird häufig das Macrogol-4000-Pulver verabreicht. Es ist in Flüssigkeit und Milch leicht löslich. Macrogol 4000 ist geruchlos, geschmacklos, wirkt nur lokal im Darm und hat kaum unerwünschte Wirkungen. Die Effekte beruhen auf der Bindung von Wasser, wodurch der Stuhl gleitfähiger wird. Aufgrund des höheren Volumens wird der Defäkationsreiz ausgelöst. Ein einzelnes Molekül Macrogol bindet etwa 100 Wassermoleküle an sich!
Milchschorf
Der Milchschorf ist ein seborrhoisches Ekzem, das nach der Geburt auftreten kann. Auf der Kopfhaut entstehen gelblich verkrustete, fettige und schuppende Hautstellen. Zugrunde liegt eine Besiedelung mit Hefepilzen der Gattung Malassezia und eine erhöhte Talgbildung. Der Ausschlag ist zwar ungefährlich, kann aber die Eltern beunruhigen und ästhetisch stören. Die Schuppen können mit einem fetten Öl erweicht und entfernt werden. Es stehen auch kosmetische Produkte zur Verfügung. Antimykotika werden nur in schweren Fällen aufgetragen.
Windeldermatitis
Windeln sind sehr praktisch, um den Harn und den Stuhl aufzufangen, weil die Säuglinge natürlich noch lange nicht selbst auf das Töpfchen gehen können und «trocken» sind. Sie schaffen allerdings gleichzeitig ein Milieu, das die Entstehung von Ekzemen begünstigt. Wärme, Feuchtigkeit, Okklusion und Reibung sind wichtige Risikofaktoren. Zusätzlich kann die Haut von Hefepilzen und Bakterien infiziert werden. Zu den Beschwerden im Windelbereich und in den Hautfalten gehören Rötungen, eine Entzündung, Papeln und Wunden, die zu starken Schmerzen führen können.
Für die Vorbeugung sollen die Windeln ausreichend oft gewechselt werden. Die Haut soll nach der Reinigung gut getrocknet und eingecremt werden. Dadurch wird die Hautbarriere gestärkt. Für die Behandlung sind Zinksalben sehr gut geeignet, weil sie Wasser binden und der Entzündung und Infektion entgegenwirken. Auch Antimykotika und Dermokortikoide werden verwendet. Die übrige Haut soll ebenfalls täglich eincremt werden, um sie zu pflegen, vor der Austrocknung zu schützen und Hautausschlägen vorzubeugen.
Haarausfall
Drei bis sechs Monate nach der Geburt können beim Säugling die Haare diffus ausfallen. Die Ursache liegt darin, dass die Haarfollikel nach der Geburt synchron in die Ruhephase eintreten. Es handelt sich um einen normalen Prozess, der keine Therapie erfordert.
Babyakne
Nicht nur Teenager, bereits Neugeborene können eine Akne entwickeln. Auch bei ihnen treten Komedonen, Papeln und Pusteln auf. Sie geht von allein wieder zurück und bis auf eine milde Seife ist keine Behandlung notwendig.
Allgemeines bei Neugeborenen
Bei Neugeborenen und Säuglingen unter einem Alter von drei Monaten sollten Sie in der Apotheke keine fiebersenkenden Mittel für die Selbstmedikation abgeben. Es kann eine schwere Erkrankung wie beispielsweise eine Hirnhautentzündung oder Harnwegsinfektion zugrunde liegen und es ist eine ärztliche Konsultation erforderlich. Die Ibuprofen-Suspension ist übrigens erst ab einem Alter von sechs Monaten und einem Gewicht von fünf Kilogramm zugelassen.
Schnupfen
Eine virale Infektion mit Schnupfen ist bei Säuglingen sehr häufig. In der Apotheke stehen abschwellende Nasensprays, Nasenpümpchen und Absaugvorrichtungen, sterile Kochsalzlösung und Meerwasser sowie Erkältungsbalsame zu Verfügung.

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