Der Gewürznelkenbaum

Spielt in der Pflanzenheilkunde eine wichtige Rolle

TEXT: MARTIN SAURER

Wie schön, wenn der Duft frisch gebackener Weihnachtskekse an einem verschneiten Wintertag in der Luft liegt. Oder auch, wenn der Geruch eines würzigen Currys einen lauen Sommerabend begleitet. Gemein haben diese so unterschiedlichen Situationen das Aroma der Gewürznelke.

In der Küche können Gewürznelken auf unterschiedlichste Weise in süssen sowie salzigen Speisen eingesetzt werden, auch so manchem Heissgetränk wird durch dieses Gewürz der letzte Schliff verliehen. Allerdings zählen die getrockneten Knospen nicht nur in der Kulinarik als Geheimtipp: Denn in der Pflanzenheilkunde nehmen sie seit Langem eine wichtige Rolle ein.

Biologie

Der Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum) gehört zur Familie der Myrtengewächse. Ursprünglich stammt er von den Molukken, einer indonesischen Inselgruppe westlich von Neuguinea. Heute wird der Baum ausserdem in verschiedenen tropischen Regionen wie Sri Lanka, Madagaskar oder Tansania kultiviert. Im feuchtwarmen Klima auf mässig nährstoffreichen Böden fühlt sich die Pflanze wohl. Dort gedeiht sie zu einem immergrünen Baum mit dichter, kegelförmiger Krone und erreicht Wuchshöhen von über zehn Metern. Die elliptischen Blätter erscheinen ledrig und glänzend, an deren Unterseite sind sie mit Öldrüsen versehen. Neben den Blättern weist auch die Rinde ätherische Öle auf, allerdings finden lediglich die Blütenknospen Einsatz in Küche und Heilkunde.

Die Blütenknospen werden von Hand geerntet, sobald sie sich von grün zu rosa verfärben. Anschliessend werden sie einige Tage auf Matten zum Sonnentrocknen ausgelegt, währenddem sich die rund zwei Zentimeter langen Knospen braun verfärben. Nicht geerntete Knospen entwickeln sich nach dem Blühen zu kleinen, purpurfarbenen Beeren.

Geschichte

Bereits in der Antike vor rund 2500 Jahren wurde Handel mit Gewürznelken betrieben. Damals wurden die Knospen bei Verdauungsbeschwerden, Zahnschmerzen und Atemwegserkrankungen eingesetzt. Wie der Muskatnussbaum kamen Gewürznelken ursprünglich nur auf den Molukken vor, die deshalb als «Gewürzinseln» bezeichnet wurden. Im 16. Jahrhundert entfachte um die Heimatinseln der Nelkenbäume ein Kampf verschiedener Kolonialmächte, den die Niederländer im Jahr 1663 für sich entschieden. Der Anbau wurde auf kleine Gebiete konzentriert, viele andere Gewürznelkenbäume gefällt. Auf Ausfuhr und Kultivierung andernorts wurde die Todesstrafe verhängt, um die enormen Gewinne zu sichern. Um 1770 gelang durch den organisierten Schmuggel von Stecklingen und Samen der Anbau auf Mauritius und La Réunion, wodurch das niederländische Monopol schliesslich gebrochen wurde. Während Gewürznelken im Mittelalter zu den wertvollsten Handelsgütern zählten, ist der Handel noch heute lukrativ: Im Jahr 2022 wurden 184 772 Tonnen geerntet. Ein beträchtlicher Anteil dessen wird allerdings lokal für Kretek verwendet. Dies sind indonesische Zigaretten aus Tabak und geschroteten Nelken.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Qualitativ hochwertige Gewürznelken weisen bis zu 15 Prozent an ätherischem Nelkenöl auf. Eugenol ist pharmakologisch der wichtigste Inhaltsstoff, Beta-Caryophyllen sowie Acetyleugenol sind weitere Bestandteile. Nelkenöl wirkt antimikrobiell gegen Bakterien, Viren und Pilze, zudem weist es desinfizierende und entzündungshemmende Eigenschaften auf. Das ätherische Öl ist lokal betäubend und schmerzlindernd, krampflösende Eigenschaften wurden ebenfalls gezeigt.

Als Arzneimittel werden Nelkenöl als auch pulverisierte oder ganze Gewürznelken herbeigezogen. Die Heilpflanze kann bei rheumatischen Beschwerden sowie Verdauungsstörungen innerlich in Form von Tees oder Kapseln angewendet werden. Äusserlich dienen Salben und Lotionen zur Pflege von empfindlichen und entzündeten Hautpartien. Bei Entzündungen im Mund und Rachenraum sowie Halsschmerzen bieten Gewürznelken Abhilfe, darüber hinaus sind bei Zahnschmerzen und in der Zahnmedizin Präparate dieser Heilpflanze üblich. Zu hohe Konzentrationen oder Mengen von Nelkenöl können zu Reizungen von Magen und Schleimhäuten führen, ansonsten gelten Gewürznelkenpräparate als gut verträglich. Bei Blutverdünnern können allerdings Kontraindikationen auftreten.

Bild: ©RATMANANT_AdobeStock

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