Cadmium

Ein gefährlicher Schadstoff

TEXT: MONIKA LENZER

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt 2,5 Mikrogramm Cadmium pro Kilogramm Körpergewicht als tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge. Doch was passiert, wenn es mehr wird?

Das Element Cadmium (Cd) mit der Ordnungszahl 48 im Periodensystem ist ein weiches, silbergraues Metall. Es ist ein natürlicher Bestandteil in der Erdkruste, doch sein Vorkommen ist eher selten. Dabei liegt es kaum als reines Metall vor, sondern es ist als anorganische Verbindung wie Cadmiumoxid zu finden. In der Regel kommt es in der Natur zusammen mit Zink vor, da beide ähnliche chemische und physikalische Eigenschaften haben.

Wettlauf in der Forschung

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden mehrere Wissenschaftler ungefähr zur gleichen Zeit auf das noch unentdeckte Cadmium aufmerksam. Das Rennen gewann der deutsche Chemiker Friedrich Stromeyer (1776–1835), der vor ein Rätsel gestellt war, als sich Zinkcarbonat beim Glühen nicht wie zu erwarten weiss, sondern gelblich verfärbte. Er schaffte es schliesslich, das neue Element im Jahr 1817 zu isolieren, woraufhin er es Cadmium nannte. Dieser Name setzte sich durch, obwohl noch andere Bezeichnungen wie Klaprothium, Melinum und Junionium zur Diskussion standen.

Künstlerfarbe, Hautsalbe & Akkus

Cadmiumgelb (Cadmiumsulfid) hat eine aussergewöhnliche Farbintensität, weshalb es Künstler gerne einsetzen. So malte Vincent van Gogh (1853–1890) damit, um seinen berühmten Sonnenblumen die intensive Leuchtkraft zu verleihen. Auch Briefträgern gefiel Cadmiumgelb – es war die Farbe der Deutschen Bundespost bis 1980. Sogar einige alte Arzneimittel enthielten Cadmium. Ein bekanntes Beispiel ist eine Cadmium-Salbe gegen übermässige Talgproduktion. In der Industrie wurde Cadmium ebenfalls in verschiedenen Bereichen genutzt – es wurde in Nickel-Cadmium-Akkus eingebaut, es diente als Material in der Halbleitertechnik und es eignete sich als Korrosionsschutz für andere Metalle.

Gefährliche Dämpfe

Früher gab es verschiedene Unfälle, wobei akut-toxische Mengen von Cadmiumdämpfen eingeatmet wurden. In einem Fall aus dem Jahr 1966 demontierten fünf Männer in einem engen Raum einen Trägerrahmen, indem sie cadmiumbeschichtete Bolzen mit einem Acetylen-Sauerstoff-Brenner durchtrennten. Ein Arbeiter verstarb innerhalb weniger Tage, nachdem er die freiwerdenden Dämpfe eingeatmet hatte. Bei der Autopsie wurden unter anderen ein schweres Lungenödem und eine Nekrose der Niere festgestellt. Schätzungen zufolge lag die Luft-Konzentration von Cadmiumoxid in der Grössenordnung von 8,6 mg/m³.

Es gibt auch akute Vergiftungen bei der oralen Aufnahme grosser Cadmiummengen, wobei Brechdurchfälle und kolikartige Schmerzen auftreten. Mehrere hundert Milligramm eines löslichen Cadmiumsalzes werden als letale Dosis in der Literatur angegeben. In solchen Fällen kann die Gabe von Penicillamin oder Dimercaprol die biliäre Ausscheidung fördern.

Die Aua-Aua-Krankheit

Viel häufiger sind heutzutage chronische Intoxikationen über die Nahrung. Ein bekanntes Beispiel ist die japanische Stadt Fuchu, wo Mitte der 1950er-Jahre eine seltsame Krankheit auftrat. Sie wurde «Itai-Itai» genannt, was so viel wie «Aua-Aua» heisst. Ausgeprägte Osteoporose bis hin zu schmerzhaften Skelettdeformationen wurden dabei häufig beobachtet. Die damit verbundenen starken Schmerzen führten manchmal sogar zu Selbstmord. Ein sehr anfälliges Organ ist zudem die Niere, weshalb einige Patienten an Nierenversagen starben. Die Ursache war eine Mine in der Nähe, wodurch Cadmium ins Flusswasser gelangte, womit wiederum Reisfelder bewässert wurden.

Zu den cadmiumreichen Lebensmitteln gehören vor allem Kakao, Leber, Seetang, Muscheln, Waldpilze und Ölsaaten. Ausserdem ist die Cadmiumbelastung bei Rauchern um einiges erhöht.

Tipp zum Schluss: Es ist wichtig, auf eine gute Versorgung von Calcium, Eisen und Zink zu achten. Diese Mineralstoffe und Spurenelemente können die Aufnahme des giftigen Schwermetalls senken, da sie die gleichen Transportwege im Darm nutzen.

Bild: HTGanzo_AdobeStock

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