Quecksilber
Flüssiges Silber
TEXT: MONIKA LENZER
Neben Gold, Silber, Kupfer, Blei, Zinn und Eisen zählt Quecksilber zu den sieben klassischen Metallen, die schon in der Antike bekannt waren. In dieser langen Zeit bis heute gab es einige Opfer, die seine giftige Gefahr unterschätzten.
Quecksilber (Hg) hat im Periodensystem die Ordnungszahl 80 und zeichnet sich durch eine Besonderheit aus. Es ist das einzige Metall, das bei Raumtemperatur flüssig ist – erst bei minus 39 °C erstarrt es zu festem Metall. Ausserdem dehnt es sich bei einer Temperaturzunahme sehr stark aus – aufgrund dieser Eigenschaft wurde es früher für herkömmliche Thermometer mit einer Kapillare genutzt.
Historische Stätten
In der freien Natur kommt Quecksilber meistens in gebundener Form als hellrotes Zinnobererz (HgS) vor. Bereits der griechische Naturforscher Theophrast (372–287 v. Chr.) beschrieb, wie Quecksilber durch das Verreiben mit Essig in einem Bronzemörser gewonnen werden könne. Über 2000 Jahre lang war Almadén in Spanien ein grosses Abbaugebiet, das erst 2003 stillgelegt wurde. Es wurde in ein Museum umgewandelt und zählt heute zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten. Auch die Grabanlage des ersten Kaisers von China (259–210 v. Chr.) gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe – sie wird aussen von einer Terrakotta-Armee aus Tausenden von lebensgrossen Tonfiguren bewacht. In das Innere hat sich bisher noch keiner getraut – angeblich befinden sich darin riesige Flüsse aus giftigem Quecksilber.
Schädliche Dämpfe
Das Erz muss bearbeitet werden, damit das reine Quecksilber gewonnen werden kann. Doch dabei werden giftige Quecksilberdämpfe freigesetzt, die von der Lunge sehr leicht aufgenommen werden. Im Körper interagiert Quecksilber dann vor allem mit freien SH-Gruppen von Proteinen und Enzymen. Ein bekanntes Opfer ist der englische König Karl II., der mit Zinnober und Quecksilber experimentierte, um es in Gold zu verwandeln. Vermutlich starb er dabei aufgrund von Quecksilberdämpfen, die er ständig einatmete.
Orale Aufnahme
Dahingegen ist reines metallisches Quecksilber wenig toxisch, wenn es oral eingenommen wird, da es kaum resorbiert wird. Ganz anders sieht es aus, wenn es sich um anorganische oder organische Quecksilberverbindungen handelt, da sie aus dem Gastrointestinaltrakt gut aufgenommen werden. Die Wasserlöslichkeit beeinflusst dabei die Resorption von anorganischen Quecksilberverbindungen – ihre orale Bioverfügbarkeit befindet sich bei 2 bis 15 Prozent. Anorganische Quecksilbersalze sammeln sich dann vor allem in der Niere an.
Giftiges Methylquecksilber
Im Vergleich dazu liegt die orale Bioverfügbarkeit von organischen Quecksilberverbindungen im Bereich von 50 bis 100 Prozent. Methylquecksilber beispielsweise kann die Blut-Hirn-Schranke gut passieren und das Nervensystem schädigen. Schwindel, Krämpfe und Psychosen sind typische Erscheinungsbilder. Mitte des letzten Jahrhunderts ereignete sich eine schwere Umweltkatastrophe in der Minamata-Bucht in Japan. Eine chemische Fabrik leitete dort quecksilberhaltiges Abwasser ins Meer ein, wodurch Methylquecksilber in die Nahrungskette der Fische gelangte. Dies führte zu einer chronischen Massenvergiftung bei der einheimischen Bevölkerung, da Meerestiere neben Reis zur Hauptnahrungsquelle zählten. Tausende von Menschen waren davon betroffen, darunter auch Ungeborene, die neurologische Störungen nach der Geburt aufwiesen, da das Gift die Plazentaschranke leicht überwinden kann.
In der Schweiz
In der Schweiz hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) im Jahr 2016 eine Untersuchung veranlasst, um schweizweit die Quecksilberbelastung von Gemüse und Wildpilzen zu ermitteln. In Karotten, Weisskohl, Weizen, Kartoffeln, Lauch und Randen befand sich der Gesamtquecksilbergehalt an oder unter der Bestimmungsgrenze von 0,0005 mg/kg bzw. 0,001 mg/kg. Die Steinpilze enthielten zwischen 0,19 bis 0,38 mg/kg Gesamtquecksilber, wobei vor allem weniger toxische anorganische Quecksilbersalze ermittelt wurden. Erfreulicherweise wurde anhand der Ergebnisse kein Risiko für die Konsumenten festgestellt.
Bild: ©marcel/AdobeStock

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