Urogenitalbeschwerden bei Frauen
Die Blasenentzündung gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Frauen
TEXT: DR. ALEXANDER VÖGTLI, APOTHEKER
Die Blasenentzündung gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Ursachen für Beschwerden des Harn- und Genitaltrakts bei der Frau. Allerdings können andere Krankheiten ähnliche Symptome hervorrufen, die nicht verpasst oder verwechselt werden sollen.
Die Blasenentzündung gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Frauen. Sie äussert sich in Schmerzen und Beschwerden bei der Harnentleerung, einem häufigen Harndrang und Schmerzen oberhalb des Schambeins. Der Urin kann trüb sein, riechen sowie Blut und weisse Blutkörperchen enthalten. Die Blasenentzündung wird meistens vom Bakterium Escherichia coli ausgelöst. Sie gelangen aus dem Enddarm zur Harnröhre und wandern bis zur Blase, wo sie eine entzündliche Infektion hervorrufen. Zu den Risikofaktoren gehören der Geschlechtsverkehr, eine Schwangerschaft, die Verwendung von Kathetern, ein Östrogenmangel und das Alter. Die Behandlung erfolgt üblicherweise mit Phytopharmaka, der D-Mannose, Antibiotika und Schmerzmitteln.
In Apotheken stehen Urinteststeifen zur Verfügung, die einen Hinweis auf die Infektion geben. Bei der Blasenentzündung können Nitrit, Leukozyten (weisse Blutkörperchen) und Blut im Urin festgestellt werden. Im Beratungsraum können Sie auch den CRP-Wert im Kapillarblut messen, der das Ausmass der Entzündung anzeigt.
Weil die Blasenentzündung in der Bevölkerung sehr bekannt ist, können andere Krankheiten übersehen werden, die ähnliche Beschwerden hervorrufen.
Nierenbeckenentzündung
Bei der Abklärung jeder Blasenentzündung muss sichergestellt werden, dass es sich nicht um eine Nierenbeckenentzündung handelt. Dabei gelangen die Bakterien aus der Harnblase über den Harnleiter zur Niere, wo sie eine Infektion und Entzündung auslösen. Neben den Symptomen einer Blasenentzündung kommen Flankenschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, ein Krankheitsgefühl und Übelkeit hinzu.
Die Abklärung ist deshalb wichtig, weil die Nierenbeckenentzündung schwere bis lebensgefährliche Komplikationen wie eine Blutvergiftung und Nierenschäden nach sich ziehen kann. Ausserdem wird sie anders behandelt als die Blasenentzündung und eine Einweisung ins Krankenhaus ist unter Umständen angezeigt.
Nierensteine
Auch Nieren- oder Blasensteine können Symptome einer Blasenentzündung auslösen, also beispielsweise Harndrang und Blut im Urin. Im Vordergrund stehen aber extreme, stechende und krampfartige Schmerzen, die in alle Richtungen ausstrahlen (Nierenkolik). Die häufigste Ursache sind kristalline Ablagerungen, die aus Calciumsalzen oder der Harnsäure bestehen. Die Schmerzen entstehen, wenn die Steine eine gewisse Grösse erreicht haben, sich in Bewegung setzen und die ableitenden Harnwege verstopfen. Weil die meisten Nierensteine von allein ausgeschieden werden, werden häufig nur die Schmerzen behandelt. Bei Komplikationen, grösseren Steinen, Infektionen und nicht behandelbaren Schmerzen ist jedoch eine Zertrümmerung mit Stosswellen oder eine endoskopische Entfernung im Krankenhaus notwendig.
Die Oxalsäure ist ein Bestandteil vieler Nierensteine. Sie wird vom Körper selbst gebildet, kommt aber auch in Lebensmitteln vor, zum Beispiel im Spinat, Rhabarber und Mangold. Sie sollen deshalb massvoll konsumiert werden.
Scheidenpilz
Beim Scheidenpilz steht im Unterschied zur Blasenentzündung der Juckreiz und das Brennen im Vordergrund. Die Vagina und die Vulva sind entzündet, gerötet, geschwollen und können weisslich belegt sein. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Infektion mit Hefepilzen wie Candida albicans. Diese Pilze kommen auch natürlich im Genitalbereich vor. Ihr Wachstum wird von verschiedenen Faktoren begünstigt, zum Beispiel von einer Behandlung mit Antibiotika, welche die Laktobazillen beeinträchtigen, einer Schwangerschaft und einer Unterdrückung des Immunsystems. Für die Behandlung wird häufig das Antimykotikum Clotrimazol verwendet. Es stehen aber auch andere Antipilzmittel, Tabletten oder Kapseln zur Verfügung. Eine zusätzliche Behandlung mit Milchsäurebakterien (lokal oder peroral) soll empfohlen werden.
Bakterielle Vaginose
Bei der bakteriellen Vaginose werden die «guten» Milchsäurebakterien der Vagina durch unerwünschte Bakterien wie den anaeroben verdrängt. Hierbei tritt ein dünnflüssiger Ausfluss mit einem unangenehmen Fischgeruch auf. Die Entzündung mit einer Schwellung und Reizung fehlt hingegen im Unterschied zum Scheidenpilz. Für die Behandlung werden lokale und systemische Antibiotika (insbesondere Metronidazol) und Desinfektionsmittel eingesetzt. Bei dieser Infektion können ebenfalls zusätzlich Probiotika empfohlen werden, um die vaginale Flora wiederherzustellen.
Scheidentrockenheit
Ab einem Alter von etwa 40 Jahren beginnen bei der Frau die Wechseljahre mit einer reduzierten Bildung der Östrogene in den Eierstöcken. Weil die weiblichen Sexualhormone aber für den normalen Aufbau, die Befeuchtung und die Elastizität der Vaginalschleimhaut essenziell sind, treten oft lokale Beschwerden auf, insbesondere Trockenheit, eine Entzündung, ein Brennen, ein Ausfluss und leichte Blutungen. Behandelt wird die vaginale Atrophie mit lokalen Östrogenen und verschiedenen Pflegeprodukten wie Salben, Gelen, Ölen und Vaginalzäpfchen.
Foto: ©Selfmade studio/adobe.stock.com

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