Ökologisch wertvolle Lebensräume
Moore
TEXT: CHRISTIANE SCHITTNY
Diese hochspezialisierten Ökosysteme sind in Gefahr, denn ihre Entstehung erfordert Jahrtausende, ihre Zerstörung hingegen oft nur wenige Jahre. Der effektive Schutz von Moorlandschaften ist aus klima-, biodiversitäts- und wasserwirtschaftlicher Sicht von zentraler Bedeutung.
Moore entstanden vor allem seit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 12 000 Jahren. Mit dem Rückzug der Gletscher bildeten sich in Senken und flachen Becken wassergefüllte Bereiche, in denen die Torfbildung einsetzte. Heute liegen die grössten Moorflächen in den borealen und subarktischen Zonen der Nordhalbkugel, insbesondere in Kanada und Russland. Auch in Mitteleuropa waren Moore einst weit verbreitet. In der Schweiz bedeckten sie vor der intensiven Kultivierung grosse Teile des Mittellands und der Voralpen.
«Obwohl Moore nur etwa drei Prozent der
globalen Landfläche bedecken, speichern sie
mehr Kohlenstoff als alle Wälder zusammen.»
Verschiedene Moortypen
Die Bildung von Mooren setzt ein dauerhaft hohes Wasserangebot voraus. Entscheidend ist, dass der Boden ganzjährig wassergesättigt bleibt. Unter diesen anaeroben Bedingungen ist die mikrobielle Zersetzung organischer Substanz stark verlangsamt. Abgestorbene Pflanzenteile lagern sich als Torf ab. Pro Jahr wächst eine Torfschicht meist nur um wenige Millimeter.
Hochmoore (ombrotrophe Moore) erhalten ihr Wasser ausschliesslich aus Niederschlägen. Mit zunehmender Torfmächtigkeit erhebt sich das Moor über das umgebende Gelände. Da Regenwasser nährstoffarm ist, sind Hochmoore extrem oligotroph (arm an organischem Material aufgrund ihres geringen Nährstoffangebots) und sauer. Im Gegensatz dazu werden Niedermoore (minerotrophe Moore) durch Grund- oder Oberflächenwasser gespeist, das mineralische Nährstoffe einträgt. Daher sind sie vergleichsweise nährstoffreicher und weisen eine höhere Pflanzenvielfalt auf.
Charakteristische Eigenschaften
Moore zeichnen sich durch mehrere Schlüsselmerkmale aus:
- Wassersättigung: Der Wasserstand liegt dauerhaft nahe oder über der Bodenoberfläche.
- Sauerstoffarmut: Die Poren des Bodens sind mit Wasser gefüllt, was aerobe Zersetzungsprozesse hemmt.
- Torfakkumulation: Organisches Material wird über Jahrtausende konserviert.
- Nährstoffarmut: Dies führt zu spezialisierten Anpassungen der Flora.
Die chemischen Bedingungen, insbesondere ein niedriger pH-Wert in Hochmooren, begünstigen das Gedeihen hochangepasster Organismen wie die Torfmoose (Gattung Sphagnum): Diese können ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser speichern. Auch manche Zwergsträucher, Heidekraut (Ericaceae) und fleischfressende Pflanzen wie Sonnentau (Drosera) gedeihen gut.
Ökologische Bedeutung
Der ökologische Stellenwert von Mooren ist ausserordentlich und umfasst:
- Kohlenstoffspeicherung und Klimaschutz: Obwohl Moore nur etwa drei Prozent der globalen Landfläche bedecken, speichern sie mehr Kohlenstoff als alle Wälder zusammen. Der im Torf gebundene Kohlenstoff bleibt unter naturnahen Bedingungen über Jahrtausende konserviert. Werden Moore entwässert, werden jedoch enorme Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Entwässerte Moore sind daher bedeutende Quellen von Treibhausgasen.
- Wasserhaushalt und -qualität: Intakte Moore können riesige Wassermengen aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben. Dadurch regulieren sie den regionalen Wasserhaushalt, puffern Hochwasserspitzen und stabilisieren den Grundwasserspiegel. Zudem filtern sie Nährstoffe und Schadstoffe aus dem Wasser und tragen so zur Verbesserung der Wasserqualität bei.
- Biodiversität und Refugialfunktion: Moore beherbergen zahlreiche spezialisierte und gefährdete Arten. Sie dienen als Refugien für kühle- und feuchtigkeitsliebende Organismen, insbesondere in Zeiten klimatischer Veränderungen. Ihre Heterogenität schafft vielfältige Mikrohabitate.
- Archivfunktion: Die im Torf konservierten Pollen, Pflanzenreste und sogar Insekten erlauben Wissenschaftlern Rückschlüsse auf vergangene Klimabedingungen und Vegetationsentwicklungen. Moore sind somit wertvolle Archive der Umweltgeschichte.
Schutz der Moorflächen
Seit dem Mittelalter wurden die Moore in Mitteleuropa zunehmend entwässert, um Torf als Brennmaterial zu gewinnen oder Flächen für Landwirtschaft und Siedlung zu erschliessen. Bis heute wurden über 90 Prozent der ursprünglichen Moorflächen zerstört oder stark geschädigt. Weltweit schreitet die Entwässerung insbesondere in tropischen Regionen voran, wo Torfmoore grossflächig für Plantagen gerodet werden.
Moore sind hochkomplexe, empfindliche und zugleich global bedeutsame Ökosysteme, deshalb kommt ihrem Schutz und ihrer Renaturierung eine grosse Bedeutung zu. Zentrale Massnahme ist die Wiedervernässung, etwa durch das Verschliessen von Drainagegräben oder den Bau von Stauwerken. Geschädigte Moore können so durch Renaturierung teilweise regeneriert werden, was jedoch viel Zeit erfordert.
Innovative Ansätze wie Paludikultur (nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Flächen) können zur Erhaltung der Moore beitragen. Auch müssen externe Nährstoffeinträge, etwa durch Düngung, reduziert werden. Der Schutz von Moorlandschaften sollte zudem gesetzlich noch besser verankert, in Klimastrategien integriert, durch Forschung begleitet und international koordiniert werden.
Bild: ©max5128/AdobeStock

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