Hagebutte

Das Einsatzgebiet von Hagebutten als Heilpflanze ist vielfältig

TEXT: MARTIN SAURER

Die Hagebutte, eine leuchtend rote Frucht verschiedener Wildrosenarten, zieht seit Jahrhunderten die Aufmerksamkeit von Heilkunde und Volksmedizin auf sich. Ihr hoher Gehalt an Vitaminen und bioaktiven Pflanzenstoffen macht sie zu einer der bekanntesten, in Europa heimischen Heilpflanzen.

Das Einsatzgebiet von Hagebutten als Heilpflanze ist vielfältig. Allerdings können die roten Früchte auch zu kulinarischen Zwecken verwendet werden. Neben Mus und Marmelade finden Hagebutten nicht nur in süssen schwedischen Suppen und als Füllung fränkischer Krapfen Verwendung, es können daraus ebenfalls Liköre und Fruchtweine hergestellt werden.

Biologie

Die Hagebutte ist die Sammelfrucht verschiedener Wildrosenarten, insbesondere der Hundsrose (Rosa canina). Hundsrosen wachsen an Waldrändern sowie in Hecken, Böschungen und Lichtungen in ganz Europa, Nordafrika und weiten Teilen Asiens. Der Strauch erreicht meist Höhen von zwei bis drei Metern und trägt gebogene Stacheln. Im Frühsommer erscheinen weisse bis zart rosafarbene Blüten mit einem angenehmen Duft. Aus diesen entwickeln sich im Herbst die ovalen bis kugeligen, leuchtend roten Hagebutten. Botanisch betrachtet handelt es sich dabei um Sammelnussfrüchte: Das rote Fruchtfleisch umschliesst zahlreiche kleine Nüsschen. Die Hagebutte ist frosthart, bevorzugt sonnige Standorte und kalkhaltige Böden. Ihre auffällige Farbe lockt Vögel an, die die Samen weiterverbreiten. Die ökologische Anpassungsfähigkeit der Hundsrose hat dazu geführt, dass die Pflanze bis heute häufig in halbnatürlichen Kulturlandschaften zu finden ist.

Geschichte

Die Verwendung der Hagebutte als Heilpflanze geht bis in die Antike zurück. Schriftliche Überlieferungen lassen vermuten, dass Hippokrates sie zur Stärkung und bei Magenbeschwerden empfahl. Im Mittelalter war die Pflanze fester Bestandteil der Klostermedizin und wurde bei Erkältung, Durchfall und Entzündungen eingesetzt. In der Volksmedizin galt der Hagebuttentee lange als Mittel gegen Müdigkeit und Schwäche. Während des Zweiten Weltkriegs spielte die Frucht eine wichtige Rolle: Da Zitrusfrüchte kaum verfügbar waren, stellte man aus Hagebutten Sirup und Mus her, um die Bevölkerung mit Vitamin C zu versorgen. In der bäuerlichen Tradition diente sie sowohl als Nahrungs- als auch Hausmittel. Aufgrund der guten Verfügbarkeit und einfachen Verarbeitung wird die Hagebutte seit Generationen verwendet.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Hagebutte enthält aussergewöhnlich hohe Mengen an Vitamin C (Ascorbinsäure). Je nach Rosenart und Erntezeit reicht der Gehalt von 500 bis 1500 Milligramm pro 100 Gramm. Das Vitamin trägt zur Stärkung des Immunsystems, zur Förderung der Kollagenbildung und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei. Daneben sind Flavonoide, Carotinoide und Polyphenole enthalten, die antioxidativ und entzündungshemmend wirken. Auch Pektin, das leicht harntreibend und abführend wirkt, kommt in den roten Früchten vor. Des Weiteren zählen Fruchtsäuren und Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Zink zu den Inhaltsstoffen der Hagebutte. Bemerkenswert ist, dass die Inhaltsstoffe synergistisch wirken und sich gegenseitig unterstützen: Vitamin C wird durch die Polyphenole stabilisiert, was die biologische Verfügbarkeit erhöht und die antioxidative Kapazität verstärkt.

Anwendung

In der Schweiz wird die Hagebutte noch heute in vielfältiger Form genutzt. Am verbreitetsten sind Tees aus getrockneten Schalen, die traditionell zur Stärkung in der kalten Jahreszeit getrunken werden. Pulverisierte Hagebuttenschalen finden Anwendung in Kapseln oder als loses Pulver. Die Einnahme kann die Beschwerden von Gicht, Rheuma und Arthrose lindern. Auch Sirup, Mus und Konfitüre aus Hagebutten sind sehr beliebt, wobei sie eher kulinarischen Zwecken dienen. Allerdings dienen sie dabei ebenfalls als reiche Quelle von Nährstoffen und Spurenelementen. Die Verträglichkeit der Hagebutte gilt als gut. Bei übermässigem Verzehr können in seltenen Fällen Verdauungsbeschwerden auftreten. Da die feinen Härchen im Innern der Früchte reizend auf Haut und Schleimhäute wirken, ist es wichtig, die Kerne vor dem Verzehr oder der Verarbeitung sorgfältig zu entfernen.

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