Allergien

Viele Menschen sind davon betroffen

Autor: DR. ALEXANDER VÖGTLI, APOTHEKER

Sehr viele unserer Kundinnen und Kunden sind von Allergien betroffen. In diesem Artikel finden Sie hilfreiche Tipps und Tricks und wissenswerte Fakten, die Ihrer Beratung das Tüpfelchen auf dem i aufsetzen.

Über ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ist von einer Allergie betroffen und wird von Symptomen wie einer laufenden und verstopften Nase, einer allergischen Bindehautentzündung, Juckreiz, Nesselfieber, Schwellungen, Verdauungsstörungen, Husten und Asthma geplagt. Die Allergie hat sich zu einer wahren Volkskrankheit entwickelt.

Mit einem Allergieschnelltest besteht in Apotheken die Möglichkeit, Allergien rasch, innert etwa einer halben Stunde, nachzuweisen. Dabei werden Antikörper im Kapillarblut bestimmt. Dabei muss das Teströhrchen ganz gefüllt werden. Denn falls zu wenig Blut verwendet wird, kann es sein, dass nicht alle Antikörper angezeigt werden. Nicht zu vergessen ist, dass die Anwesenheit von Antikörpern nicht bedeutet, dass auch Symptome auftreten.

Nützliche Tipps für die Behandlung von Allergien

Kortison-Nasensprays

Die Glucocorticoide in den Kortison-Nasensprays sind schlecht wasserlöslich und werden deshalb als Suspensionen formuliert. Weil sie in der Flüssigkeit nicht gelöst sind, setzen sie sich mit der Zeit am Boden ab. Deshalb müssen Sie auf jeder Etikette darauf hinweisen, dass die Sprays kurz vor der Verabreichung leicht geschüttelt werden müssen. Das gilt genauso für Kortison in Plastikampullen, das für die Behandlung von Asthma und einer COPD eingesetzt wird.

Überdosierung von Antihistaminika

Für die Behandlung einer Urtikaria werden Antihistaminika absichtlich überdosiert. Es handelt sich um eine ärztlich verordnete Off-Label-Anwendung, bei der zum Beispiel Cetirizin-Tabletten bis zu viermal täglich eingenommen werden.

Adrenalin bei einer Anaphylaxie

Den Adrenalin-Autoinjektor müssen Sie nicht in die Haut rammen. Sie können ihn auf den äusseren Oberschenkel aufsetzen und dann gegen das Gewebe drücken, damit die Injektion ausgelöst wird. Wichtig ist, dass jetzt einige Sekunden gewartet wird, bis die Injektionslösung in den Muskel gelangt ist.

Falls eine einzelne Dosis nicht ausreicht oder die Symptome wiederkehren, wird ein zweiter Pen benötigt. Deshalb sollten Sie in der Apotheke immer zwei Pens abgeben und nicht nur einen einzelnen. Weil dies insbesondere von der Fachinformation empfohlen wird, sollten Sie sich unbedingt daran halten, auch um rechtliche Probleme auszuschliessen.

In den USA wurde im Jahr 2024 zusätzlich ein Nasenspray mit Adrenalin zugelassen, was die Notfallbehandlung erleichtert. Bei Symptomen einer Anaphylaxie wird ein Sprühstoss in eine Nasenöffnung gegeben. Ein Spray enthält nur eine einzelne Dosis. Ein ähnlicher Notfallspray mit Glucagon steht in der Schweiz für die Behandlung einer Hypoglykämie zur Verfügung.

Unerwünschte Wirkungen von Montelukast

Der Leukotrien-Rezeptor-Antagonist Montelukast ist für die Behandlung allergischer Erkrankungen zugelassen. Bei der Erstabgabe müssen Sie die Kundinnen und Kunden darauf aufmerksam machen, dass das Medikament neuropsychiatrische Störungen wie beispielsweise ein abnormes Träumen, Halluzinationen, Reizbarkeit und Depressionen auslösen könne. Falls solche Beschwerden auftreten, muss der Arzt oder die Ärztin kontaktiert werden.

Pestwurzextrakt

In der Schweiz ist ein Extrakt aus den Blättern der Pestwurz für die Behandlung eines Heuschnupfens zugelassen, der wissenschaftlich gut untersucht ist. Die Tabletten werden zwei- bis dreimal täglich eingenommen. Dabei müssen Sie beachten, dass der Extrakt speziell aufbereitet ist. Die Arzneidroge darf nicht für die Zubereitung von Tees verwendet werden, weil sie die toxischen Pyrrolizidinalkaloide enthalten kann. Bei der Herstellung des Arzneimittels werden diese entfernt.

Mastzellstabilisatoren

Mastzellstabilisatoren hemmen die Freisetzung von Mediatoren wie Histamin aus den Mastzellen und schwächen damit die allergische Reaktion ab. Sie werden heute seltener verwendet. Die Cromoglicinsäure ist nur noch in Form von Augentropfen im Handel.

Allergie-Notfallset

Neben zwei Tabletten eines Antihistaminikums enthält das Allergie-Notfallset für Erwachsene zwei Kortisontabletten. Haben Sie sich auch schon gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen Prednison und Prednisolon ist? Prednison ist der Vorläufer (das Prodrug) von Prednisolon und wird im Körper in dieses umgewandelt. Gemäss der Fachinformation sind die beiden Wirkstoffe therapeutisch gleichwertig und die Dosierung ist identisch. Prednisolon hat den Vorteil, dass es metabolisch nicht aktiviert werden muss.

Desensibilisierung

Die Desensibilisierung war früher nur mit Spritzen und einer subkutanen Injektion möglich. Heute sind darüber hinaus Sublingualtabletten im Handel, die sich einfacher und schmerzlos einnehmen lassen. Weisen Sie bei der Abgabe darauf hin, dass die Tabletten unter die Zunge gelegt werden und dort mindestens eine Minute lang verbleiben sollen. Direkt im Anschluss darf nicht gegessen oder getrunken werden.

Newsletter

Jetzt anmelden!