Wenn Nachhaltigkeit zur Firmenmission wird
KMU
TEXT: FABRICE MÜLLER
Nachhaltigkeit beginnt
im Denken – und
zeigt sich im Handeln.
Die Klimastreiks in der Schweiz bleiben nicht ohne Wirkung. Doch bereits vorher haben KMU damit begonnen, sich ökologisch und nachhaltig auszurichten. Für einen erfolgreichen Weg in diese Richtung braucht es eine innere Überzeugung.
Ökologie und Soziales zählen zu den Megatrends des 21. Jahrhunderts, die sich auf die Produkte und Märkte von morgen auswirken werden. Ganz im Sinne dieses Megatrends von morgen unterstützt öbu, der Verband für nachhaltiges Wirtschaften in der Schweiz, seine Mitglieder darin, Nachhaltigkeitsmanagement als strategisches Instrument zur Weiterentwicklung des Unternehmens zu nutzen. Ein Grossteil der Verbandsmitglieder sind KMU, wie Geschäftsführer Olmar Albers informiert: «Wir verstehen Nachhaltigkeit als integralen Teil der Unternehmensstrategie, der langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft sichert. Dazu gehört ebenfalls der strategische Entscheid, die soziale und ökologische Verantwortung wahrzunehmen.»
Dadurch werde der ökonomische Erfolg auf eine verantwortungsvolle und sichere Basis gestellt. Doch wann ist ein Unternehmen überhaupt nachhaltig? «Wir sprechen dann von einer nachhaltigen beziehungsweise zukunftsfähigen Ausrichtung, wenn das Unternehmen zum Beispiel so wenig wie möglich CO2 ausstösst, bewusst wenig Ressourcen verbraucht und sich auf der sozialen Seite verantwortungsvoll ausrichtet», erklärt Olmar Albers.
Strenger als die Bio-Vorgaben
Die Firma Holle in Riehen BS beispielsweise hat sich mit seiner Babynahrung in Demeter-Qualität einen Namen gemacht. Gleichzeitig arbeitet das über 80-jährige Unternehmen nach strengen Vorgaben in der Beschaffung der Rohstoffe wie auch in der Produktion. Die Demeter-Vorgaben an Landwirtschaft, Tierwohl und Produktverarbeitung gehen laut Angelo Ferrara, Mitglied der Geschäftsleitung bei Holle, über die Vorgaben für Bio-Produkte hinaus. Zum Schutz der Umwelt produziert Holle CO2-neutral. Zum Ausgleich des CO2-Ausstosses engagiert sich das Unternehmen in Südafrika und auf der Sekem-Farm in Ägypten durch regionale Projekte.
Bewusstsein hat zugenommen
Immer mehr Unternehmen verankern nachhaltiges Wirtschaften in ihre Firmenphilosophie. «Die Thematik wird unserer Ansicht nach immer breiter wahrgenommen. Die jüngsten Klimastreiks von Jugendlichen in der Schweiz haben diesem Trend sicher zu noch mehr Schwung verholfen», ist Olmar Albers überzeugt. Dass das Bewusstsein der Wirtschaft für mehr soziales und ökologisches Engagement zugenommen hat, beweise auch die Erkenntnis von Larry Fink, mit «Black Rock» der weltweit grösste private Investor, dass es wichtig sei, als Unternehmen auf sozialer Ebene Verantwortung zu übernehmen. Daneben gebe es hingegen immer noch Widerstand gegen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dies vor allem dort, wo die direkte Belohnung über den Aktienpreis im Zentrum stehe und vor allem kurzfristige Ziele mit einer konsequenten Wachstumsstrategie die Firmenphilosophie bestimme.
Ein Zeichen setzen
Doch weshalb soll sich ein Unternehmen überhaupt für eine nachhaltige Firmenphilosophie entscheiden? Für Olmar Albers stehen drei Argumente im Vordergrund: «Die innere Überzeugung des Firmeninhabers, der Firmenleitung oder des Verwaltungsrats, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens breit abzustützen, ist das beste Argument. Diese Ausgangslage bietet meist die beste Erfolgschance für eine nachhaltige Firmenausrichtung.»
Ein weiteres, aber kurzfristigeres Argument zugunsten einer ökologischen Nachhaltigkeit ist, sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt zu verschaffen. Indem das Unternehmen in der Produktion und im Angebot ressourcenschonend arbeitet, positioniert es sich klar gegenüber seinen Lieferanten und Kunden. Manchmal entstehen nachhaltige Projekte im Unternehmen auch durch das Engagement der Mitarbeitenden, die mit bestimmten Projekten ein Zeichen setzen wollen. Möglichkeiten, als Unternehmen nachhaltiger und damit zukunftsfähiger zu werden, gibt es viele. Sie reichen vom Produktdesign über die Energienutzung bis zur Reduktion des Fleischkonsums in der firmeneigenen Kantine. «Es gibt kein Patentrezept für einen erfolgreichen Einstieg. Manchmal beginnt es mit der Umstellung auf ein alternatives Heizsystem, das wiederum weitere Massnahmen auslöst. Manchmal sind es kleine Schritte, die erste Impulse setzen», erzählt Olmar Albers. Die Umsetzung hänge stets von den im Unternehmen tätigen Menschen und der Firmenkultur ab.
Im Firmenleitbild verankern
Für eine langfristige nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens sei es jedoch wichtig, die Ziele im Firmenleitbild zu verankern. Oft brauche es darüber hinaus Impulse von aussen, zum Beispiel von Geschäftspartnern, von anderen Unternehmen, die sich bereits mit ökologischen oder sozialen Themen auseinandersetzen, von externen Experten, um selbst in die gleiche Richtung zu gehen. Als grösste Herausforderung auf diesem Weg bezeichnet Olmar Albers das fehlende Know-how sowie die zeitlichen und finanziellen Ressourcen. «Wer nachhaltig sein will, muss bereit sein, in Know-how und Infrastruktur zu investieren.»
Olmar Albers ist überzeugt, dass sich die Tendenz hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft – trotz Widerständen – nicht mehr aufhalten lässt. «Die Schweiz könnte als überschaubarer Wirtschaftsraum zum Vorreiter werden, will sie sich künftig nicht die Vorschriften und Gesetze von aussen aufstülpen lassen.»
Bild: ©Dee karen_AdobeStock

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