Zeckenkrankheiten
Ein kleiner Zeckenbiss kann schwerwiegende Krankheiten mit gefährlichen Komplikationen auslösen
TEXT: DR. ALEXANDER VÖGTLI, APOTHEKER
«Zeckenstiche gelten in
der Schweiz als Unfall.»
Ein kleiner Zeckenbiss kann schwerwiegende Krankheiten mit gefährlichen Komplikationen auslösen. Unterstützen Sie Ihre Kundinnen und Kunden dabei, diese zu vermeiden.
Es gibt einige Parasiten, die an unserem Blut interessiert sind, um es als Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Dazu gehören zum Beispiel die lästigen Stechmücken im Sommer, Blutegel, denen wir zum Glück nicht häufig begegnen, und die Zecken. In der Schweiz kommt vor allem der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) vor. Er gehört nicht zu den Insekten, sondern zu den Spinnentieren und Milben. Er beisst übrigens nicht, er sticht und es wird deshalb von einem Zeckenstich gesprochen. Zecken fallen auch nicht von den Bäumen und sie springen nicht, sie werden vom Laub, Gras und Gebüsch abgestreift, worin sie leben.
Zeckenstich
Der Zeckenstich an sich ist eigentlich nicht besonders problematisch. Er kann wie ein Insektenstich behandelt werden, also zum Beispiel mit einer Desinfektion und einem kühlenden, schmerzlindernden und antiallergischen Gel. Übrigens: Zeckenstiche gelten in der Schweiz als Unfall und werden über die Unfallversicherung abgewickelt!
Übertragung von Infektionskrankheiten
Zecken können jedoch auch gefährliche Infektionskrankheiten übertragen, in der Schweiz insbesondere die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Mittlerweile muss fast überall damit gerechnet werden, dass die Zecken Krankheitserreger in sich tragen. Zwei Ausnahmen sind das Hochgebirge über 2000 Metern sowie der Kanton Tessin, der noch nicht als FSME-Risikogebiet gilt, in dem aber ebenfalls die Borreliose vorkommt. Aufgrund der hohen Mobilität, der Naturverbundenheit und des veränderten Freizeitverhaltens müssen heute die meisten Einwohnerinnen und Einwohner damit rechnen, von einer Zecke gestochen zu werden und sich mit einer Krankheit zu infizieren. Dabei gibt es wichtige Unterschiede zwischen den beiden Infektionen.
Lyme-Borreliose
Die Borreliose wird von Bakterien der Gattung Borrelia verursacht, zum Beispiel von Borrelia burgdorferi. Sie leben im Darm der Zecken und werden beim Stich nicht sofort, sondern erst nach Stunden übertragen. Deshalb ist es wichtig, eine Zecke so rasch wie möglich nach dem Stich zu entfernen, um der Infektion vorzubeugen. Nach einer Wanderung oder einem Spaziergang soll die Haut nach Zecken abgesucht werden.
Ein typisches Zeichen für die Infektion ist die Wanderröte, ein flächiger, klar begrenzter, roter und nicht juckender Hautausschlag um den Zeckenstich herum, der am Rand und in der Mitte röter ist und sich vergrössert. Er kann sich innert eines Monats nach dem Stich entwickeln, aber auch ganz fehlen. Grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen und Kopfschmerzen können zu Beginn auftreten. In einem solchen Fall muss unbedingt zu einer ärztlichen Untersuchung geraten werden. Denn die Borreliose kann längerfristig auch das Nervensystem und die Gelenke betreffen und schwere Komplikationen verursachen. Weil es sich um Bakterien handelt, ist eine Therapie mit Antibiotika möglich, die oft mit Tetrazyklinen wie Doxycyclin durchgeführt wird. Eine Impfung befindet sich in der Entwicklung, ist derzeit hingegen noch nicht verfügbar.
FMSE
Im Unterschied zur Borreliose hält sich das FSME-Virus in den Speicheldrüsen der Zecken auf und wird beim Stich direkt übertragen. Zu Beginn können wie bei der Borreliose grippeartige Beschwerden auftreten. In einer zweiten Phase kann sich eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung entwickeln, die Komplikationen nach sich ziehen kann und selten sogar lebensgefährlich ist. Weil es sich beim Erreger um ein Virus handelt, helfen Antibiotika nicht für die Behandlung. Umso wichtiger ist es, sich gegen die FSME impfen zu lassen. Diese Impfung wird auch in vielen Apotheken angeboten und umfasst insgesamt drei intramuskuläre Injektionen. Sie muss gemäss dem BAG-Impfplan alle zehn Jahre mit einer einzelnen Injektion aufgefrischt werden.
Vorbeugung
Neben der FSME-Impfung und den Kontrollen nach dem Aufenthalt im Freien werden weitere vorbeugende Massnahmen empfohlen. Das Unterholz und die Wegränder sollen nach Möglichkeit gemieden werden, vor allem in der Zeckensaison ab Frühling bis in den Spätsommer. Es sollen lange Hosen und geschlossene Schuhe getragen werden. Wanderhosen mit Gummizug am Ende der Hosenbeine helfen ebenfalls bei der Prävention.
Zur «chemischen» Vorbeugung stehen Repellents wie DEET oder Icaridin zur Verfügung, die meistens in Form von Sprays aufgebracht werden. Auch pflanzliche Inhaltsstoffe wie Citriodiol und ätherische Öle können wirksam sein.
Zeckenentfernung
Zecken werden mit einer speziellen Zeckenpinzette entfernt. Dazu wird die Zecke am Mundwerkzeug knapp oberhalb der Haut gegriffen und herausgezogen. Die Hautstelle soll anschliessend gut desinfiziert werden. Es können auch andere geeignete Instrumente wie eine Zeckenkarte zum Einsatz kommen. Manchmal bleiben dabei kleine Stücke in der Haut zurück. Sie sollen nach Möglichkeit entfernt werden, werden aber vom Körper selbst ausgeschafft. Das Datum des Stichs soll notiert und ein Foto mit der Zecke gemacht werden. Dies erleichtert die Diagnose bei einer Infektionskrankheit.
Bild: ©AGPhotography_AdobeStock

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