Rosenwurz

So beeindruckt sie seit Jahrhunderten durch ihre Vitalität

TEXT: MARTIN SAURER

Die sukkulente Rosenwurz wächst an kargen, kalten Standorten, wo nur die widerstandsfähigsten Arten gedeihen können. So beeindruckt sie seit Jahrhunderten durch ihre Vitalität. Da sie eine schützende Wirkung haben soll, wird sie häufig als Schutzsymbol auf Hausdächern angepflanzt.

Die schützenden Eigenschaften der Rosenwurz stehen auch mit ihrer Verwendung Heilpflanze in Verbindung. So soll die Einnahme von Pflanzenextrakten gegen die Auswirkungen von Stress schützen und Vitalität, Konzentrationsfähigkeit und die mentale Leistungsfähigkeit stärken. Die in der Volksmedizin wichtige Heilpflanze hat auch in der heutigen Phytotherapie einen festen Platz.

Biologie

Rosenwurz (Rhodiola rosea), auch als Goldene Wurzel bezeichnet, gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Die mehrjährige, sukkulente Pflanze erreicht Wuchshöhen von 10 bis 35 Zentimetern und trägt dickfleischige, blaugrün gefärbte Blätter. Mehrere dicke und beschuppte Stängel wachsen aus einer unterirdischen Pfahlwurzel. Wird die Pfahlwurzel verletzt, ist ein rosenartiger Duft wahrzunehmen, was der Pflanze ihren Namen verleiht.

Rosenwurz ist eine zweihäusige Pflanze, es kommen daher weibliche und männliche Exemplare vor. Die Blütenstände sind dicht, die Kronblätter erscheinen bei den weiblichen Blüten gelb, bei den Männlichen dagegen purpurfarben. Rosenwurz gedeiht bevorzugt in arktischen und subarktischen Regionen sowie in Gebirgszonen Eurasiens bis auf 3000 Metern über Meer. Die Pflanze ist an extreme Umweltbedingungen angepasst und wird deshalb als Modellorganismus für pflanzliche Resilienz betrachtet.

Geschichte

Bereits in der Antike wurde Rosenwurz als Heilpflanze eingesetzt. In der nordischen Volksmedizin wurde sie zur Stärkung von Körper und Geist sowie als Mittel gegen Müdigkeit und Infekte genutzt. Wikinger sollen sie verwendet haben, um Ausdauer und Kraft zu steigern. In der traditionellen russischen Medizin galt sie als Mittel gegen Kälte, Erschöpfung und Höhenkrankheit. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné beschrieb die Pflanze im 18. Jahrhundert ausführlich und empfahl sie zur Behandlung von Kopfschmerzen und nervlicher Belastung. Auch in tibetischen Heiltraditionen wurde Rosenwurz hoch geschätzt und zur Harmonisierung des Energiehaushalts eingesetzt. Die historische Nutzung zeigt, dass die Widerstandsfähigkeit der Pflanze auch mit einer Förderung der Ausdauer und Resistenz des Menschen in Verbindung gebracht wurde.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Rosenwurz zählt in der Phytotherapie als Adaptogen. Das bedeutet, dass die Heilpflanze den Organismus bei der Anpassung an Stresssituationen unterstützt. Rosavin, einer der bedeutendsten Inhaltsstoffe des Rosenwurz, soll die Bildung des Neurotransmitters Seretonin fördern und dessen Abbau hemmen. Dadurch wird die Serotoninkonzentration erhöht, was Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit fördert und gleichzeitig Angst und Traurigkeit vermindert. Auch eine Hemmung von Stresshormonen durch die Inhaltsstoffe wird diskutiert. Salidrosid hat im Körper eine antioxidative Wirkung und schützt sowohl Zellen als auch das Genmaterial vor Schäden. Zudem wurde beobachtet, dass Extrakte aus der Rosenwurz die mentale Leistungsfähigkeit erhöhen und die Aufmerksamkeitsspanne verlängern. In der Volksmedizin hat Rosenwurz ausserdem einen immunstärkenden Effekt. Laut naturwissenschaftlicher Studien ist die Wirkung von Rosenwurz nach wie vor nicht eindeutig geklärt.

Anwendung

Extrakte aus Rosenwurz sind in Form von Kapseln und Tabletten erhältlich. Dabei gilt die Heilpflanze als gut verträglich; nur selten können milde Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Mage-Darm-Beschwerden oder Schlaflosigkeit auftreten. Da bisher zu wenig Daten für Schwangere, Stillende und Kinder vorliegen, wird Rosenwurz für diese Menschengruppen nicht empfohlen. Angewendet wir die Heilpflanze zur Unterstützung von stressbedingter Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, verminderter Leistungsfähigkeit oder leichten depressiven Verstimmungen. Deshalb wird Rosenwurz auch als Anti-Stress-Pflanze bezeichnet.

Foto: memory87/AdobeStock

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