Reflux

Jeder Fünfte leidet unter Refluxkrankheit

Autor: KLAUS DUFFNER

Rund 15 bis 25 Prozent der Menschen in westlichen Ländern leiden unter gastroösophagealer Refluxkrankheit. Dabei kann der zurückfliessende saure Magensaft neben Beschwerden wie Magen- und Sodbrennen auch Veränderungen in der Ösophagusschleimhaut hervorrufen. Medikamente sind zumeist hilfreich.

Reflux ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen. Beschwerden wie saures Aufstossen, Sodbrennen oder Magenbrennen kennt fast jeder. Das kann zwar unangenehm sein, hat aber gewöhnlich keine weiteren Folgen. 15 bis 25 Prozent der Menschen in westlichen Ländern leiden jedoch unter der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD), bei der neben solchen Beschwerden auch Läsionen in der Speiseröhre auftreten können. Die Ursache liegt in einer Störung des Ösophagussphinkters, einem ringförmigen Muskel, der normalerweise den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre verhindert. Die aufschwappende Magensäure führt bei rund 30 Prozent der Betroffenen zu Schäden am Ösophagus. Sie können von der endoskopisch sichtbaren Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) über Stenosen bis hin zum Barrett-Ösophagus oder Barrett-Karzinom reichen.

Patienten mit und ohne Schleimhauterosionen

Treten solche Symptome auf, werden typischerweise Chemo-Schmerzrezeptoren zwischen den Epithelzellen der Speiseröhre aktiviert. Bei chronischem Reflux von Magensäure lockern sich die dortigen Zellverbindungen, wodurch H+-Ionen leichter zu den Nervenendigungen diffundieren können. Dies kann zu einer Schädigung des Epithels mit Erosionen und Ulzerationen führen. Sie treten bei weniger als 50 Prozent aller Patienten mit typischen GERD-Symptomen auf. Als Risikofaktoren gelten Hiatushernie (Ausstülpung eines Magenteils durch das Zwerchfell), Kaffee, Alkohol, Rauchen, Übergewicht, männliches Geschlecht und interessanterweise das Nicht-Vorhandensein des Stäbchenbakteriums Heliobacter pylorus.

Insgesamt besteht kein enger Zusammenhang zwischen Schwere und Häufigkeit von Symptomen und dem Auftreten möglicher Läsionen im Ösophagus. So zeigen mehr als 50 Prozent aller Patienten mit typischen GERD-Symptomen keine endoskopisch erkennbaren Schleimhautläsionen. Trotzdem ist auch eine solche nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD) in der Lage, die Lebensqualität ähnlich stark zu beeinträchtigen wie die erosive Refluxkrankheit.

Durch langjährigen Reflux von Mageninhalt kann es zu einem Barrett-Ösophagus kommen, bei dem das normale äussere Plattenepithel in ein Zylinderepithel umgewandelt wird. Eine solche pathologische Schleimhautveränderung stellt häufig eine Vorstufe für ein Barrett-Karzinom dar. In seltenen Fällen (ca. 0,1–0,4 % pro Jahr) entwickelt sich daraus dann ein Speiseröhrenkarzinom.

Protonenpumpenhemmer als Standard

Die medikamentöse Therapie der gastroösophagealen Refluxerkrankung sollte mit begleitenden Massnahmen unterstützt werden. Dazu gehört eine Normalisierung des Gewichts, die Reduktion von Nikotin, Alkohol und Kaffee, kein sofortiges Hinlegen nach dem Essen, leichte Hochlage des Oberkörpers während der Bettruhe oder der Verzicht auf enge Kleider und enge Gürtel. Als die wirksamsten Medikamente zur Behandlung des sauren Refluxes gelten Protonenpumpenhemmer (PPI). Auch H2-Blocker sind möglich; sie besitzen jedoch nur noch einen untergeordneten Platz in der Therapie der Refluxerkrankung. Treten die Beschwerden nur sporadisch und kurzfristig auf, können Antazida hilfreich sein. Ihr Vorteil ist die im Vergleich zu PPI und H2-Blockern besonders schnelle Wirksamkeit. Alginate bilden eine gallertartige Substanz und können die Symptomatik ebenfalls verbessern. Nur in Ausnahmefällen und bei langjährigen therapierefraktären Beschwerden und Vorliegen weiterer Kriterien kann eine Operation sinnvoll sein. In jüngster Vergangenheit wurden dazu mehrere neue endoskopische und operative Techniken entwickelt.

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