Gemeinsam für eine stabile Versorgung

Serie: CEO im Gespräch

INTERVIEW: MARTIN BÜRKI

Dr. Dominik Hauser, CEO der Hänseler AG, spricht über Versorgungssicherheit, den Ausbau der Produktion in der Schweiz und die wachsende Bedeutung starker Partner im Apothekenalltag.

Was motiviert Sie morgens, ins Unternehmen zu kommen?

Mich motiviert die Kombination aus Verantwortung, Gestaltungsspielraum und der Arbeit mit Menschen. Unsere Tätigkeit bei der Hänseler AG hat direkten Bezug zur Gesundheitsversorgung. Wir liefern pharmazeutische Rohstoffe und Produkte, auf die Apotheken, Drogerien, Spitalapotheken und Industriepartner vertrauen. Als KMU sehen wir unmittelbar, was unsere Arbeit bewirkt. Gleichzeitig verbinden wir pharmazeutische Tradition mit dem Anspruch, uns weiterzuentwickeln. Diese Mischung aus Verlässlichkeit und Aufbruch ist für mich ein starker Antrieb.

Gibt es eine Haltung oder ein Prinzip, das Sie in Ihrer Führungsrolle besonders prägt?

Für mich muss Führung Klarheit und Vertrauen verbinden. Menschen sollen wissen, wohin wir gemeinsam wollen und weshalb. Gleichzeitig brauchen sie Raum, Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube nicht an Führung über Hierarchie allein. In einem Unternehmen wie Hänseler zählt jede und jeder Einzelne; Qualität entsteht im Zusammenspiel vieler Funktionen. Deshalb sind Respekt, Verbindlichkeit und Zusammenarbeit für mich tägliche Haltung.

Was hat sich in Ihrer Rolle als CEO in den letzten Jahren am stärksten verändert?

Die Rolle ist strategischer und vielschichtiger geworden. Rahmenbedingungen verändern sich schneller und Planungssicherheit ist kaum gegeben. Man muss stärker in Szenarien denken und dennoch nahe am Tagesgeschäft bleiben. CEO zu sein bedeutet für mich, die Organisation so weiterzuentwickeln, dass sie auch morgen robust und handlungsfähig bleibt.

Hänseler AG bewegt sich zwischen Rohstoffversorgung, Eigenprodukten und Industrieprojekten. Was macht für Sie den Kern dieses Geschäftsmodells aus?

Der Kern liegt in der Verbindung dieser Bereiche. Wir verfügen über tiefes Know-how bei pharmazeutischen Rohstoffen, kennen die Bedürfnisse von Apotheken und weiteren Fachpartnern und können anspruchsvolle GMP-Industrieprojekte umsetzen. Dadurch sind wir nicht einfach Händler, Hersteller oder Dienstleister, sondern ein Partner entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette. Entscheidend ist, dass wir Qualität, regulatorisches Verständnis, Beschaffung, Herstellung und Marktzugang verbinden.

Mit dem neuen GMP-Produktionsgebäude setzen Sie ein starkes Zeichen für den Standort Herisau. Was war für Sie der entscheidende Beweggrund für diese Investition?

Der GMP-Neubau war für uns mehr als eine Investition in Infrastruktur – er war ein bewusster Entscheid für die Zukunft des Standorts Herisau. Seit der offiziellen Eröffnung im April 2026 beginnt für die Hänseler AG ein neues Kapitel. Gerade in Zeiten, in denen Lieferengpässe und Abhängigkeiten von ausländischen Produktionsstätten den Versorgungsalltag belasten, setzen wir ein klares Zeichen: Wir produzieren in der Schweiz, für die Schweiz – verlässlich, stabil und mit erweiterten Kapazitäten.

Gleichzeitig eröffnet der Neubau neue Perspektiven im internationalen Industriegeschäft. Mit modernen GMP-Produktionsbedingungen und integrierter Serialisierung von Arzneimitteln können wir anspruchsvolle Kundenprojekte entlang der Wertschöpfungskette abbilden – von der Beschaffung über die Herstellung bis zur Erfüllung internationaler Anforderungen. Der Neubau zeigt, dass ein Ostschweizer Pharma-KMU lokal verwurzelt und international wettbewerbsfähig sein kann.

Wo sehen Sie Chancen für Schweizer Unternehmen, sich trotz zunehmender Internationalisierung eigenständig zu behaupten?

Schweizer Unternehmen sollten nicht versuchen, über Grösse oder Preis allein zu konkurrieren. Chancen entstehen dort, wo Qualität, Verlässlichkeit und Vertrauen zählen. In regulierten Märkten sind dies entscheidende Faktoren. Hinzu kommt die Fähigkeit, pragmatisch und kundennah Lösungen zu entwickeln. Eigenständigkeit bedeutet für mich nicht Abschottung, sondern ein klares Profil: wissen, worin man gut ist, Kompetenzen stärken und mit Partnern zusammenarbeiten.

Wenn Sie an die Zusammenarbeit mit Apotheken in den nächsten fünf Jahren denken: Was wird wichtiger werden als heute?

Für Apotheken werden Verlässlichkeit, Orientierung und Differenzierung noch wichtiger. Sie bewegen sich in einem anspruchsvollen Umfeld und brauchen Partner, die mehr bieten als reine Produktverfügbarkeit. Versorgungssicherheit, transparente Kommunikation, einfache Prozesse und fachliches Know-how gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig sehe ich Chancen bei spezialisierten Produkten und individuellen Lösungen, die ihre Rolle als Gesundheitsdienstleister stärken.

Wenn Sie einige Jahre vorausblicken: Woran möchten Sie erkennen, dass sich Hänseler AG in die richtige Richtung entwickelt hat?

Ich möchte erkennen, dass die Hänseler AG wirtschaftlich gesund, strategisch klar positioniert und kulturell stark geblieben ist. Der GMP-Neubau soll als Plattform für Wachstum, Qualität und internationale Projekte genutzt werden. Wir sollen unsere Rohstoffkompetenz stärken, Eigenprodukte gezielt entwickeln und unsere Position im Industriegeschäft über die Schweiz hinaus ausbauen. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir unsere Identität bewahren: bodenständig, verlässlich, pharmazeutisch kompetent und menschlich – mit Mitarbeitenden, die Verantwortung übernehmen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Über Dr. Dominik Hauser

Dr. Dominik Hauser wuchs in Basel auf und promovierte am Biozentrum. Sein beruflicher Werdegang führte ihn über verschiedene pharmazeutische Unternehmen und Verantwortungsbereiche in der Schweiz, den Niederlanden und Belgien in die Ostschweiz. Seit April 2017 führt er als CEO die Hänseler AG Swiss Pharma in Herisau und prägt das Unternehmen mit Klarheit, Teamgeist und unternehmerischer Bodenhaftung. Sein Fokus liegt auf pharmazeutischen Rohstoffen, OTC-Produkten und CDMO-Exzellenz. Besonders hervorzuheben ist, dass Dominik Hauser die strategische Ausrichtung des Schweizer Produktionsstandorts mit internationaler Perspektive sowie den GMP-Neubau wesentlich geprägt und vorangetrieben hat. Dabei ist ihm wichtig, dass jedes «Zahnrad» im Unternehmen zählt: Verantwortung, Respekt und Zusammenarbeit sind für ihn keine Schlagworte, sondern gelebte Kultur. Privat findet er seinen Ausgleich in der Familie, im Freundeskreis und beim Sport in der Natur.

Bild: ZvG

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