CEO im Gespräch: Ursapharm-CEO Men Bazzell

«Die Ausrichtung auf Fachpersonen ist für uns tragend»

INTERVIEW: MARTIN BÜRKI

Ursapharm-CEO Men Bazzell erklärt, warum kritische Stimmen im Team erwünscht sind, weshalb der Mensch für ihn im Zentrum steht – und wie sich der Pharmamarkt aus seiner Sicht verändert.

Herr Bazzell, CEO zu sein bedeutet heute weit mehr als Zahlen und Strategien. Wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil beschreiben – und was ist Ihnen in der täglichen Zusammenarbeit mit Ihrem Team besonders wichtig?

Wichtig ist, dass alle Personen in Bereichen, die sie betreffen, mitsprechen können. Denn die Komplexität der Marktbearbeitung ist so vieldimensional, dass es aus meiner Sicht Betrachtungen aus mehreren Blickwinkeln nötig macht. Das Ziel bei unseren Projektteams ist immer, dass wir einen «Troublemaker» haben. Sie oder er müssen die Lösungsansätze immer infrage stellen und erklären, weshalb etwas optimal ist. So zwingen wir uns, viele Seiten zu betrachten. Zu Ihrer Ausgangsfrage: Der Mensch steht im Mittelpunkt, somit ist mein Führungsstil partizipativ und situativ.

Ursapharm steht für Spezialisierung, Qualität und Nähe zu Fachpersonen. Wie spiegeln sich diese Werte im Arbeitsalltag und in der Unternehmenskultur von Ursapharm Schweiz wider?

Uns ist es wichtig, dass unsere Partner ihre KundInnen oder PatientInnen optimal beraten können. Wir bieten hierfür viele Tools an. Wir sind der festen Überzeugung, dass in unserer Spezialisierung eine optimale Beratung zur Zufriedenheit der betroffenen Person führt und hierfür braucht es die Fachperson.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus – und in welchen Bereichen sind Sie bewusst operativ nahe dran, wo lassen Sie Ihrem Team möglichst viel Verantwortung?

Bei mir gibt es keinen typischen Arbeitstag. Unser Team ist so gut in den jeweiligen Verantwortungsbereichen, dass ich sehr viel Zeit in Kundenkontakt und Projekten verbringen darf.

Der OTC- und Pharmamarkt ist geprägt von wachsender Regulierung, steigenden Erwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten sowie einem starken Kostendruck. Wie nehmen Sie diese Entwicklungen aktuell wahr und was bedeutet das konkret für Ihr Unternehmen?

Ja, ich sehe diese von Ihnen angesprochenen Themen sehr wohl in unserer täglichen Arbeit. Doch diese stehen zum Teil gegensätzlich zueinander. Zum Beispiel die Regulierungen und der Kostendruck: Die entstehenden Mehraufwände lösen Kosten aus, die auch jemand tragen muss. Weiter entwickelt sich der OTC-Markt in gewissen Bereichen immer mehr Richtung Retail, was gegensätzlich zu den Regulierungen und der Patientensicherheit ist. Das heisst für uns, wir müssen diese Entwicklungen im Auge behalten und Bestehendes immer wieder infrage stellen. Die Ausrichtung auf Fachpersonen ist für uns tragend, auch weil Ursapharm ein Apotheker-Familienunternehmen ist.

Ursapharm ist besonders für seine Kompetenz in der Ophthalmologie bekannt. Wie wichtig ist diese klare Fokussierung für den langfristigen Erfolg – und wo sehen Sie Potenzial, Chancen und Weiterentwicklungen? Welche News sind von Ursapharm zu erwarten?

Ursapharm hat neben der Augenheilkunde auch andere Bereiche, die abgedeckt werden, doch die grösste Disziplin ist die Ophthalmologie. Dieser wird es auch in Zukunft sein. Augen sind heute und in Zukunft wichtig. Durch die Digitalisierung und deren Folgen werden wir in Zukunft mannigfaltige Herausforderungen haben. Wir werden in Zukunft in bestehenden Fachgebieten in neue Dienstleistungen und Produkte investieren. Was kommen wird, darf ich noch nicht kommunizieren, doch Sie dürfen gespannt sein.

Apotheken, Ärztinnen und Ärzte spielen eine zentrale Rolle im Schweizer Gesundheitssystem. Was erwarten Sie von einer guten Partnerschaft – und was dürfen Fachpersonen im Gegenzug von Ursapharm erwarten?

Gemeinsam sind wir für das Wohl unserer PatientInnen und KundInnen verantwortlich. Wir können nur gemeinsam helfen. Aus diesem Grunde beschreibt eine gute Partnerschaft Kommunikation, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und langfristige Ausrichtung.

Ihr persönliches unverkennbares Markenzeichen sind Hüte, wie kam es dazu?

Ohne sehe ich nicht so gut aus. Spass beiseite, da meine Haarpracht etwas reduzierter ist und ich nicht gerne friere oder Sonnenbrand habe, war die Lösung Hut eine logische. Zudem gefallen mir die Bowler sehr gut und sie geben viel Anlass auf der Strasse, um mit fremden Leuten in Kontakt zu kommen, sei es Alt oder Jung.

Wenn Sie in die kommenden Jahre blicken: Welche strategischen Schwerpunkte setzen Sie für Ursapharm Schweiz – und woran möchten Sie gemessen werden, wenn man eines Tages auf Ihre Zeit als CEO zurückblickt?

Ich strebe den Aufbau von Dienstleistungen/Ausbildungen für unsere Partner an, um ihren Kundinnen und Kunden besser helfen zu können. Rückblickend würde ich gerne gesehen werden als ein CEO, der einem Team das Umfeld geschaffen hat, in dem Ausbildung und Weiterentwicklung möglich sind und der Ursapharm als die Partnerfirma für Fachpersonen in der Schweiz im Bereich Auge etabliert hat.

Zur Person

Men Bazzell ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Söhnen und Grossvater. Zu seinen Hobbys gehört Sport allgemein. Er ist gelernter Drogist mit Weiterbildung im Bereich Betriebswirtschaft und seit circa 37 Jahren in der Pharmaindustrie tätig – davon weit über die Hälfte im Bereich Ophthalmologie.

Foto: zVg

Newsletter

Jetzt anmelden!