Lang leben, gesund altern
Wie alt wir werden, liegt nicht nur an unseren Genen
TEXT: JÜRG LENDENMANN
Wie alt wir werden, liegt nicht nur an unseren Genen. Um gesund alt zu werden, können wir bei sieben Lebensstilfaktoren ansetzen.
Wir werden immer älter. Erstmals ist die Zahl der über 65-Jährigen grösser als die der unter Fünfjährigen. «2050 wird in Europa jeder dritte Mensch älter sein als 65», sagt Prof. Heike Bischoff Ferrari. Dabei hält die gesunde Lebenserwartung (64 Jahre) mit der totalen Lebenserwartung (80 Jahre) nicht Schritt. «Wie können wir diese Lücke schliessen und welche Hebel gibt es, um die gesunde Lebenserwartung zu verlängern?», fragt die Fachärztin für Altersmedizin, Allgemeine Innere Medizin und Rehabilitation. Sie habe sieben gute Nachrichten mitgebracht, sagt sie.
Weiterführende Informationen:
Do Health Study: do-health.eu
VITAL Study: vitalstudy.org
COSMOS trial: cosmostrial.org
1. Epigenetische Faktoren
Eine aktuelle Studie zeigt, dass nur 50 Prozent der Variabilität unserer Lebenserwartung genetisch bedingt sind. Lebensstilfaktoren sind enorm wirksame epigenetische Faktoren.
2. Sieben Lebensstilfaktoren
Zu den Lebensstilfaktoren, die uns dabei unterstützen, länger gesund und aktiv zu bleiben, zählen: ausreichender Schlaf, physische Aktivität, Lernen von Neuem, Achtsamkeit, gesunde Ernährung, soziale Interaktion sowie der Verzicht aufs Rauchen. Lebensstilfaktoren sind wahre Multitalente, da sie, wie dies von der physischen Aktivität bekannt ist, verschiedenste physiologische Prozesse positiv beeinflussen können.
3. Additiver Nutzen von Lebensstilfaktoren
Bereits die Nurses’ Health Study (1980–2014) hat gezeigt, dass sich gesunde Lebensstilfaktoren addieren können. Die Do Health Study (2022) ergab: Duch die Einnahme Vitamin D und Omega-3 sowie einem einfachen Krafttrainingsprogramm für zu Hause konnte die frühzeitige Gebrechlichkeit um 39 Prozent in drei Jahren und das Auftreten invasiver Krebserkrankungen um 61 Prozent verringert werden.
4. Do Health & VITAL
Die Partnerstudie VITAL von Do Health mit 25 871 gesunden Erwachsenen über 50 Jahren kam bezüglich der Supplemente Vitamin D und Omega-3 zu vergleichbaren Ergebnissen.
5. Vier epigenetische Uhren zum biologischen Alter
Die Studie Do-Health-Bio-Age (2021–2024) ist die weltweit grösste Studie, die anhand von vier epigenetischen Uhren erstmals zeigen konnte: Das biologische Alter kann auch beim Menschen mit einfachen Massnahmen verjüngt werden.
6. Top: Schweizer Müesli
Bei einem Vergleich der Wirkung von Lebensmitteln auf das Organalter erreichte das Schweizer Müesli Platz 1 vor fettem Fisch und rohem Salat.
7. Schweizer Campus für gesunde Langlebigkeit
Zu den Zielen des neuen Campus gehört, den Einzelnen in die Lage zu versetzen, auf den eigenen Alterungsprozess einzuwirken, um dadurch länger gesund und aktiv zu bleiben. Ein weiteres Ziel ist, die Wirkung personalisierter Präventionsmassnahmen und neuer Therapien auf den biologischen Alterungsprozess wissenschaftlich zu belegen.
Healthy Aging für das Gehirn
Die Referentin machte auf sechs Lebensstilfaktoren aufmerksam, mit denen sich laut der Harvard Medical School einer Demenz vorbeugen lässt:
Schlaf: mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht, denn im Schlaf säubert sich das Gehirn.
Stressmanagement: pro Tag zehn Minuten Meditation, ein Spaziergang oder eine andere entspannende Tätigkeit.
Interaktion mit anderen: denn Einsamkeit verursacht Stress, der über chemische Veränderungen Nervenzellen des Gehirns schädigen kann.
Bewegung: Täglich 8000 bis 10 000 Schritte reduzieren das Risiko einer Alzheimer-Demenz und unterstützen das Wachstum neuer Nervenzellen.
Neues lernen: Das stärkt die Verbindungen zwischen den Nervenzellen und erhöht die Gedächtnisreserven.
Ernährung: Empfohlen wird die Mittelmeerdiät – die MIND-Diät mit Nüssen, Beeren und Gemüse mit wenig rotem Fleisch.
«Diese Faktoren sind nicht nur gut fürs Gehirn», sagt die Referentin. «Die Massnahmen verlangsamen zudem den biologischen Alterungsprozess.»
Multivitamin, Ginkgo und Omega-3
Foto: ©anaumenko/AdobeStock

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