CEO im Gespräch
Pascal Schaer über Verantwortung, Kontinuität und die Zukunft eines Familienunternehmens.
TEXT: MARTIN BÜRKI
«Apotheken sollten generell die erste Anlaufstelle bei einfachen Symptomen sein.»
Herr Schaer, was ist für Sie persönlich ein guter Arbeitstag?
Das ist ganz unterschiedlich. Wenn er jedoch abwechslungsreich und lösungsorientiert verläuft, dann stimmt schon vieles! Wenn dann noch Firmenziele oder Ziele meiner Mitarbeiter erreicht wurden, dann ist es ein sehr guter Arbeitstag.
Sie übernehmen die CEO-Rolle in einem Unternehmen, das Ihr Vater über Jahrzehnte aufgebaut hat. Was ging Ihnen durch den Kopf, als klar wurde: Jetzt beginnt ein neues Kapitel?
Die Verantwortung ist nun natürlich da und auch das Bewusstsein für die Firma. Ich durfte aber über die Jahre vieles lernen und habe meinen Vater noch als Berater zur Seite. Es ist jedoch ein Schritt, der nicht plötzlich kam, sondern über viele Jahre gewachsen ist. Sei es bei mir, aber auch in unserer Familie als Ganzes. Wir sassen damals vor rund sieben Jahren zusammen und beschlossen, nicht zu verkaufen, sondern die Firma selbst weiterzuführen und zu entwickeln.
Ein Generationenwechsel ist immer auch ein Balanceakt zwischen Kontinuität und Veränderung. Was möchten Sie bewusst weiterführen – und wo setzen Sie neue Akzente?
Wichtig ist bei uns sicherlich das familiäre Ambiente, auch gegenüber unseren Kunden und Mitarbeitern. Wir möchten weiterhin mit kreativen Produkten den Markt überraschen. Veränderungen haben bereits in der Vergangenheit stattgefunden und leichte Anpassungen gibt es immer wieder. Ich durfte ja bereits als Geschäftsleitungsmitglied und als Mitglied des Familienrats den Kurs der Firma mitbestimmen.
Schaer Pharma betont Nähe, Vertrauen und Verlässlichkeit. Wie übersetzen sich diese Werte konkret in den Arbeitsalltag Ihrer Mitarbeitenden?
Bei uns sind die Bürotüren stets offen und die Wege kurz. Uns ist ebenfalls wichtig, dass unsere Kunden eine ihnen bekannte Ansprechperson haben. Der Austausch unter uns, aber auch mit unserer Kundschaft ist authentisch und ehrlich.
Schaer Pharma entwickelt seit über 36 Jahren Produkte für das Wohlbefinden. Was bedeutet dieser Begriff für Sie persönlich – und was bedeutet er strategisch für das Unternehmen?
Ganz einfach. Unsere Produkte sind keine Lifestyleprodukte, sondern Gesundheitsprodukte und somit Helfer im Alltag. Für unser Unternehmen ist das Slogan und Philosophie in einem.
Wenn Sie den Blick nach vorne richten: Woran arbeitet Schaer Pharma aktuell und in welchen Bereichen dürfen Fachkreise und Konsumentinnen und Konsumenten in nächster Zeit konkrete Neuerungen erwarten?
Wir können dieses Jahr einen Hustensirup und Lutschtabletten mit dem Wirkstoff Noscapin unter der Marke GEM auf den Markt bringen. Früher hatten wir hierzu Produkte mit Codein, mit der Neuklassierung des Wirkstoffs in die Abgabekategorie B wurden diese Produkte jedoch fast obsolet. Bei diesen Produkten streben wir zudem Co-Marketings mit den Ketten und Gruppierungen an.
Wo sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen für Schweizer Pharma-KMU – und wo liegen die Chancen?
Die grössten Herausforderungen sind sicherlich die immer strikter werdenden Gesetzgebungen. Viele davon sind sinnvoll und dienen dem Menschen und der Umwelt im Allgemeinen. Andere jedoch sind ein reiner Bürokratieprozess, binden aber ein massives Arbeitspensum. Gerade für KMU, wo Mitarbeiter zum Teil mehrere Abteilungshüte haben, eine unnötige Belastung. Eine grosse Chance besteht sicherlich bei neuen Technologien und der Nutzung daraus. Sofern richtig genutzt …
Welche Rolle spielen Apotheken aus Ihrer Sicht künftig im Gesundheitssystem – insbesondere im Bereich Prävention und Beratung?
Eine (hoffentlich) immer grössere, zusammen mit den Drogerien. Es ist unheimlich wichtig, dass Hausarztpraxen und Spitäler bei Bagatellsymptomen und -krankheiten entlastet werden. Apothekerinnen und Apotheker können viel mehr als nur Rezeptmedikamente unterschreiben und das Bestellwesen kontrollieren. Dafür wurden sie ausgebildet und dort liegt auch ihre Passion: im Helfen. Sie sollten generell die erste Anlaufstelle bei einfachen Symptomen sein und bei komplizierteren Diagnosen an einen Arzt oder eine Ärztin weiterleiten. Wir haben in der Schweiz über 2000 Apotheken, die Wege wären also im Bedarfsfall genug kurz. Besser zumindest, als eine Woche auf einen Arzttermin zu warten oder ein Notfallwartezimmer zu blockieren. Ich bin dahergehend froh, dass der Mangel an Fachkräften bei den Offizin-Apothekerinnen und -Apothekern nicht mehr ganz so latent ist.
Wenn Sie in fünf Jahren auf Schaer Pharma zurückblicken: Woran würden Sie erkennen, dass dieser Generationenwechsel gelungen ist?
Einfach gesagt, wenn wir immer noch erfolgreich existieren, weiterhin Produkte für das allgemeine Wohlbefinden auf den Markt bringen und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben.
Pascal Schaer

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