Artischocke
Seit Jahrhunderten als Heilkraut verwendet
Autor: MARTIN SAURER
Während der Blütenboden der Artischocke als wohlschmeckendes Gemüse verzehrt wird, enthalten deren Blätter verschiedene bioaktive Stoffe. Seit Jahrhunderten als Heilkraut verwendet, wird die Artischocke noch heute pharmazeutisch genutzt und ist in Österreich aktuell Arzneipflanze des Jahres.
Artischocken zählen in der Heilkunde als appetitanregend, verdauungsfördernd und cholesterinsenkend. Zudem wirken sie anregend auf den Stoffwechsel der Leber und können den Zucker- und Fettstoffwechsel verbessern. Artischocken beugen kardiovaskulären Erkrankungen vor und wirken antioxidativ. Somit handelt es sich um eine sehr diverse Arzneipflanze.
Biologie
Die Artischocke (Cynara cardunculus) gehört zur Familie der Korbblütler und ist eine krautige, ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu zwei Metern erreichen kann. Charakteristisch sind ihre grossen, tief gefiederten Blätter mit silbergrauer Behaarung sowie die auffälligen, purpurfarbenen Blütenköpfe. Der essbare Teil der Artischocke ist der fleischige Blütenboden, während die Blätter als Heilmittel genutzt werden.
Ursprünglich stammt die Artischocke aus dem Mittelmeerraum und bevorzugt sonnige Standorte mit durchlässigem, nährstoffreichem Boden. Aufgrund ihrer Verwendung als Nahrungs- und Heilmittel wird die Pflanze heutzutage aber weltweit in warmen Klimazonen kultiviert. Dabei kommt Cynara cardunculus subsp. scolymus zum Einsatz. Diese gezüchtete Unterart trägt weniger Stacheln und hat dicker ausgebildete Blütenböden, ähnelt ihren wilden Vorfahren ansonsten hingegen sehr stark.
Geschichtlicher Hintergrund
Laut der griechischen Mythologie verliebte sich Zeus in die wunderschöne Nymphe Cynara, wurde von ihr jedoch abgewiesen. Aus Zorn und voller Enttäuschung verwandelte er sie in eine Artischockenpflanze, deren Stacheln ihr abweisendes Verhalten symbolisierten. Ob diese Legende wahr ist oder nicht, sei dahingestellt. Jedenfalls trägt die Artischocke mit ihrer lateinischen Bezeichnung noch heute den Namen der griechischen Schönheit.
Bereits im antiken Griechenland und Rom war die Artischocke als verdauungsförderndes Mittel bekannt. Im 1. Jahrhundert beschrieb der griechische Arzt Dioskurides erstmals die positive Wirkung auf Leber und Galle. Im Mittelalter wurde die Artischocke in Klostergärten angebaut und als Heilmittel gegen Verdauungsstörungen, Blähungen und Appetitlosigkeit eingesetzt. Besonders in der Renaissance galt die Pflanze als wirksam zur Anregung des Stoffwechsels. In der traditionellen europäischen Medizin fand sie ebenfalls Anwendung bei rheumatischen Beschwerden und Hauterkrankungen.
Inhaltsstoffe und deren Wirkung
Die Artischocke enthält verschiedene bioaktive Inhaltsstoffe mit gesundheitlichen Wirkungen. Besonders wichtig ist Cynarin, das die Gallenproduktion anregt, die Fettverdauung unterstützt und leberschützend wirkt. Chinasäurederivate und Flavonoide wie beispielsweise Luteolin haben antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, während verschiedene Bitterstoffe die Magensaftsekretion fördern. Inulin, ein präbiotischer Ballaststoff, unterstützt die Darmflora, während Phenolsäuren vor Zellschäden schützen. Durch die Einnahme von Artischocke wird die Bildung des protektiven Radikalfängers Stickstoffmonoxid signifikant erhöht. Studien zeigen ausserdem, dass Artischockenpräparate den Cholesterinspiegel senken und dadurch vorbeugend gegen Arteriosklerose wirken.
Anwendung und Nebenwirkungen
Die Arzneipflanze wird heute neben der Senkung von Cholesterin vor allem in der Phytotherapie zur Unterstützung der Verdauung und der Leberfunktion eingesetzt. Verwendet werden hauptsächlich die Blätter, aus denen Extrakte, Kapseln, Dragees, Tinkturen, Aufgüsse und Säfte hergestellt werden. Grundsätzlich sind Präparate der Artischocke gut verträglich. Allerdings kann die Aufnahme anderer Medikamente im Darm oder die Wirkung von Blutverdünnern verändert werden, selten kann es zu Verdauungsproblemen kommen. Auch bei Gallenstein ist von der Verwendung abzuraten, weil dadurch die Gallenproduktion angeregt wird.

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