Venenbeschwerden

Fit fürs Kundengespräch

TEXT: DR. ALEXANDER VÖGTLI, APOTHEKER

Bei der chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) ist die Funktion der Venenklappen beeinträchtigt. Das Blut bleibt in den Beinen liegen und führt zu Schwellungen, Hautveränderungen, Missempfindungen und im schlimmsten Fall zu Geschwüren und einer tiefen Venenthrombose.

Venen sind die Blutgefässe, die das Blut im Herz-Kreislauf-System zurück zum Herzen führen. Es ist arm an Sauerstoff, weil das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen das Gas bereits an das Gewebe abgegeben hat. Der Blutdruck ist in den Venen geringer und sie dienen zusätzlich als Blutspeicher.

In den Beinen muss das Blut gegen die Schwerkraft nach oben transportiert werden. Dies gelingt mithilfe der Muskulatur und der Venenklappen, die einen Rückstrom verhindern. In diesem Zusammenhang wird von der Muskelpumpe und spezifischer von der Wadenmuskelpumpe gesprochen.

Chronisch-venöse Insuffizienz

Bei der chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) ist der Rückstrom eingeschränkt und gestört. Der Druck im venösen System steigt, die Venen treten als «Krampfadern» und Besenreiser hervor. Die Kapillaren können sogar platzen, was zu roten, braunen und violetten Flecken auf der Haut führt. Gleichzeitig tritt Wasser aus den Gefässen in das Gewebe aus.

Die Beine sind geschwollen, fühlen sich schwer und müde an und können schmerzen. Typisch sind auch Hautveränderungen, Pigmentierungen, Ekzeme, Juckreiz, Hautverdickungen, ein Kribbeln, Brennen oder Spannungsgefühl. Wadenkrämpfe können die Folge venöser Beschwerden sein, was bei ihrer Abklärung berücksichtigt werden muss. Als Komplikation kann im letzten Stadium der Krankheit ein offenes Unterschenkelgeschwür beim Knöchel entstehen, das schlecht abheilt und infiziert werden kann.

Ursachen

Eine wichtige Ursache der Erkrankung ist, dass die Venenklappen ihre Funktion ungenügend wahrnehmen und das Blut in den Beinen «liegen bleibt». Betroffen sind häufig ältere Menschen, Frauen und Schwangere. Die Venenklappenschwäche kann auch angeboren sein und die Neigung wird vererbt. Übergewicht, frühere Verletzungen und eine tiefe Venenthrombose sowie ein Bewegungsmangel tragen zur Entstehung bei.

Es muss unbedingt beachtet werden, dass eine tiefe Venenthrombose ähnliche Beschwerden verursacht, also auch Schmerzen, Krämpfe, Schwellungen und eine Hautverfärbung aufweisen kann. Eher für eine Thrombose sprechen ein akuter Verlauf mit neuen Beschwerden, Schmerzen, eine rötliche Hautverfärbung und ein Wärmegefühl. Sie kann zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie führen und muss daher zwingend ausgeschlossen werden.

Die chronisch-venöse Insuffizienz ist ebenfalls ein Risikofaktor für die Entstehung einer tiefen Venenthrombose. Dies aufgrund des Blutstaus, der Schäden an den Gefässen und der entzündlichen Prozesse.

Kompressionstherapie

Medizinische Kompressionsstrümpfe gelten als Mittel der ersten Wahl für die Behandlung. Sie unterstützen die Wadenmuskelpumpe und sorgen dafür, dass das Blut wieder nach oben zum Herzen gelangt. Stützstrümpfe sind übrigens nicht dasselbe wie Kompressionsstrümpfe. Sie sind für die Vorbeugung von Beschwerden vorgesehen. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Reisestrümpfe, die auf langen Flugreisen getragen werden. Sie üben nur einen passiven Widerstand aus, während Kompressionsstrümpfe einen aktiven Druck vermitteln.

Die Strümpfe unterscheiden sich in ihrer Kompressionsklasse von der Stufe I bis IV. Je höher die Stufe, desto höher ist der Druck. Er wird wie bei der Blutdruckmessung in mmHg angegeben. Strümpfe ab der Klasse II sollten aufgrund der notwendigen Abklärungen nur auf ärztliche Verordnung abgegeben werden. Beachten Sie, dass der Druck der Strümpfe von unten nach oben abnimmt.

Die Patientinnen und Patienten sollen motiviert werden, die Strümpfe zu tragen, weil die längerfristige Compliance entscheidend für den Therapieerfolg ist. Probleme und Lösungen sollen während des Gesprächs angesprochen werden. Es ist auch hilfreich, die Patientinnen und Patienten nach der Erstabgabe für eine Nachkontrolle einzubestellen, zum Beispiel nach einer bis zwei Wochen.

Nicht medikamentöse Massnahmen

Um den venösen Rückfluss zu aktivieren, kann den Patientinnen und Patienten mehr Bewegung und Sport, ein Hochlagern der Beine, ein Rauchstopp und eine Gewichtsreduktion empfohlen werden.

Krampfadern werden auch mit Polidocanol verödet. Das Mittel wird intravenös gespritzt und sorgt für einen Verschluss der Vene. Diese wird vom Körper durch Bindegewebe ersetzt. Eine weitere Variante ist die Lasertherapie.

Arzneimittel

Venenmittel dichten die Gefässe ab, stärken sie und senken so die erhöhte Durchlässigkeit. Sie hemmen die Entzündungsprozesse, fördern die Wundheilung und reduzieren die Schwellungen.

Lokale aufgetragene Venengele und -cremen haben einen kühlenden und pflegenden Effekt und wirken oberflächlich. Sie enthalten zum Beispiel Heparine, Heparinoide, Polyphenole, pflanzliche Zubereitungen und Weinblätterextrakte.

Bei der oralen Verabreichung von Tabletten und Kapseln ist mit einem stärkeren Effekt zu rechnen. Verwendet werden meistens Polyphenole wie die Flavonoide, Rosskastanien- und Mäusedornextrakte. Polyphenole sind generell gesundheitsfördernd.

Jedem Patienten und jeder Patientin mit einer CVI soll aufgrund der Hautveränderungen eine pflegende und juckreizlindernde Hautlotion empfohlen werden.

Für die Behandlung des Unterschenkelgeschwürs werden moderne Wundauflagen mit Hydrokolloiden und Alginaten verwendet.

Foto: ©Henrie_AdobeStock

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