Phenylalanin
Die Nerven-Aminosäure
Autor: KLAUS DUFFNER
Phenylalanin spielt eine bedeutende Rolle bei der Herstellung von wichtigen Hormonen wie zum Beispiel Neurotransmittern. Sie gehört zu den essenziellen Aminosäuren, die über die Nahrung aufgenommen werden müssen, beispielsweise über Milchprodukte, Fleisch, Hülsenfrüchte oder Getreide.
Bei der Aminosäure Phenylalanin unterscheidet man zwei Hauptformen, nämlich die natürliche L-Form, die über eiweisshaltige Nahrungsmittel aufgenommen und vom Körper weiterverwendet wird, sowie die D-Form. Sie ist für den Stoffwechsel nicht verwertbar und kann nur synthetisch hergestellt werden.
Ausgangssubstanz für wichtige Neurohormone
Phenylalanin spielt im menschlichen Körper in vielen Prozessen eine Schlüsselrolle, besonders bei der Synthese von lebenswichtigen Neurotransmittern. Es gehört zur Gruppe der aromatischen Aminosäuren und ist als neutral und nichtpolar klassifiziert. Phenylalanin ist der Vorläufer einer anderen wichtigen Aminosäure, dem Tyrosin, das wiederum die Ausgangssubstanz ist für die Biosynthese wichtiger Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin und L-Dopa (und damit Dopamin), sowie dem Schilddrüsenhormon L-Tyroxin und dem Pigmentfarbstoff Melanin. Während Tyrosin jedoch komplett aus Phenylalanin hergestellt werden kann, ist der menschliche Organismus umgekehrt nicht in der Lage, seinen Bedarf an Phenylalanin komplett aus Tyrosin zu synthetisieren. Er muss daher diese essenzielle Aminosäure zumindest teilweise über die Nahrung aufnehmen.
Reichlich in Milchprodukten, Fleisch und Hülsenfrüchten
Erstmals isoliert wurde L-Phenylalanin im Jahr 1879 aus Leguminosen, drei Jahre später folgte die erste synthetische Herstellung. Die Aminosäure ist Bestandteil verschiedener Proteine und Peptide und in sehr vielen Nahrungsmitteln enthalten, so in grösseren Mengen in Milchprodukten (v. a. Käse, Quark), Fisch, Fleisch, Geflügel, Hülsenfrüchten (v. a. Soja, Linsen), Nüssen (v. a. Mandeln, Erdnüsse) und Getreide. Der Bedarf an Phenylalanin ist vom Tyrosingehalt der Nahrung abhängig. In normaler proteinhaltiger Nahrung sind beide Aminosäuren in gewissen Anteilen enthalten. Der Bedarf an Phenylalanin hängt von verschiedenen Faktoren ab wie von Alter, Geschlecht, körperlicher Aktivität und dem Gesundheitszustand einer Person. Je nach Quelle und Messmethode wird ein täglicher Bedarf für Erwachsene von 25 bis 30 mg pro Kilogramm Körpergewicht angegeben, was bei einem Körpergewicht von 70 kg etwa 1750 bis 2100 mg Phenylalanin pro Tag bedeutet. Säuglinge und Kleinkinder haben wegen des Wachstums einen höheren Bedarf. Eine allgemeine Empfehlung zur täglichen Aufnahme von Phenylalanin (zum Beispiel von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung oder der Deutschen Gesellschaft für Ernährung) gibt es nicht.
Phenylketonurie
Kinder mit der erblichen Stoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU) können durch einen Enzymdefekt Phenylalanin nicht in Tyrosin umwandeln. Deshalb reichert sich Phenylalanin im Körper an, so dass der Blutspiegel einen Wert von 30 mg/dl (normal 1–2 mg/dl) erreichen kann. Der Urin der erkrankten Kinder weist dann einen strengen Geruch auf. Da durch den Enzymdefekt auch die Herstellung von Melanin gestört ist, haben Betroffene blonde Haare und blaue oder rote Augen. Unbehandelt führt die Phenylketonurie ab dem vierten Lebensmonat zu schweren Hirnschädigungen und geistiger Behinderung. Durch eine möglichst frühe Phenylalanin-arme Diät im Säuglingsalter (mindestens bis zum 14. Lebensjahr) sind die beschriebenen Symptome vollständig zu verhindern. Glücklicherweise ist Phenylketonurie eine seltene Erkrankung. In deutschsprachigen Ländern liegt die Häufigkeit bei etwa 1:10 000.
| Lebensmittel je 100g | Phenylalanin |
|---|---|
| Linsen | 1400 mg |
| Hähnchenbrustfilet, roh | 857 mg |
| Hühnerei | 680 mg |
| Kuhmilch 3,7 % Fett | 158 mg |
| Appenzeller 50 % Fett | 1310 mg |
| Emmentaler 45 % Fett | 1561 mg |
| Kürbiskerne | 1733 mg |
| Lachs, roh | 845 mg |
| Reis, ungeschält | 410 mg |
| Schweinefleisch, roh | 881 mg |
| Rinderfilet | 1000 mg |
| Sojabohnen, getrocknet | 2122 mg |
| Walnüsse | 711 mg |
| Mandeln | 1160 mg |
| Weizen-Vollkornmehl | 646 mg |
Quellen: Wikipedia, www.vitalstoff-lexikon.de

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