Huflattich

In vielerlei Hinsicht eine spannende Pflanze

TEXT: MARTIN SAURER

Der deutsche Name des Huflattichs ist verwirrlich, da das Gewächs nicht zur Gattung der Lattiche gehört. Dahingegen weist der lateinische Name (Tussilago farfara) bereits auf die Geschichte der Heilpflanze hin: tussis bedeutet «Husten», während ago mit «ich vertreibe» übersetzt werden kann.

Der Huflattich ist in vielerlei Hinsicht eine spannende Pflanze. Bereits in der Antike läuteten seine leuchtend gelben Blüten im Februar und März den Frühling ein und erinnerten Menschen an die Kraft der Sonne. So wurde die Pflanze zu einem Symbol für Glück, Schutz vor bösen Geistern und Heilung. Trotz erwiesener Heilwirkung verlangen aber auch die Risiken der Pflanze Beachtung.

Biologie

Huflattich ist eine krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Auffallend ist, dass die gelb leuchtenden Blüten als eine der ersten bereits im Februar austreiben. Erst nach dem Verblühen folgen die Laubblätter. Letztere sind bodenständig und weisen auf deren Unterseite einen weissen, filzigen Flaum auf. Die Herz- oder Hufeisenform der Blätter spiegelt sich ebenfalls im Namen der Pflanze wider.

Der Huflattich ist in Nordafrika, Europa und Asien heimisch, wo er auf feuchten, nährstoffreichen, lehmigen Böden an sonnigen Standorten gedeiht. So ist er an Wegrändern, Flussufern, in Böschungen und auf Schuttplätzen zu finden. Die ausgeprägte Anpassungsfähigkeit macht den Huflattich zudem zu einer Pionierpflanze, die unbesiedelte Störflächen erobern kann und dort den Boden stabilisiert. Im Val del Fain im Graubünden liegt auf 2640 Metern über Meer das höchste bekannte Vorkommen dieser Pflanzenart.

Neben dem Nutzen als Heilpflanze gebührt dem Huflattich auch eine ökologische Bedeutung. Neben der Funktion als Pionierpflanze dient er vielen gefährdeten Schmetterlingsarten als Futterpflanze. Bestäubt werden die Blüten durch Bienen, Käfer und Schwebfliegen. Die Samen verbreiten sich durch Wind sowie über Säugetiere und Ameisen. Unterirdische Rhizome dienen der vegetativen Ausbreitung.

Geschichte

Seit der Antike gilt der Huflattich als eines der wichtigsten Hausmittel gegen Husten. Hierzu empfahlen die römischen Ärzte und Gelehrten Dioskurides, Plinius und Galenos im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus den Rauch der getrockneten und angezündeten Blätter zu inhalieren. Auch im Mittelalter machte Hildegard von Bingen auf die Heilwirkung der Pflanze aufmerksam. Die Blätter wurden zur Heilung von Erkrankungen der Atmungsorgane sowie Husten, Bronchitis und Heiserkeit verwendet. Ein Aufguss galt als typische Darreichungsform, allerdings wurden die Blätter des Huflattichs nicht nur zu medizinischen Zwecken geraucht. Äusserlich fand Huflattich Anwendung zur Heilung von Wunden und Hautentzündungen.

Inhaltsstoffe und deren Wirkung

Der medizinische Nutzen des Huflattichs beruht grösstenteils auf der pharmakologischen Wirkung auf die Schleimhäute. Verschiedene Inhaltsstoffe haben eine positiven Effekt auf letztere. So kommen grosse Mengen an Schleimstoffen in den Blättern vor, die für einen schützenden Film auf den Schleimhäuten sorgen und beruhigend sowie reizlindernd wirken. Verschiedene Gerbstoffe und Flavonoide sowie ätherische Öle weisen adstringierende, antioxidative und entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften auf, die zur Heilung von Atemwegserkrankungen beitragen. Zudem zeigt die Einnahme von Huflattich eine auswurffördernde Wirkung.

Moderne Anwendung

Heute sind standardisierte Tees, Sirups und Pastillen mit Extrakten aus Huflattich erhältlich. Sie werden ähnlich wie vor hunderten von Jahren bei Reizhusten und leichten Entzündungen der Atemwege eingesetzt. Allerdings ist die langanhaltende Einnahme sowie eine hohe Dosierung zu vermeiden: Die in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide können lebertoxisch und krebsfördernd wirken. Deshalb werden streng kontrollierte Präparate meist aus gezüchteten Beständen mit geringen Mengen dieser Alkaloide gewonnen. Abgesehen von in Wildpflanzen enthaltenen Alkaloiden ist Huflattich gut verträglich, nur selten treten geringfügige Nebenwirkungen auf.

Bild: © 13smile/AdobeStock

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