Chronische Entzündungen durch Tätowierungen

Wissen in Kürze

TEXT: KLAUS DUFFNER

Obwohl mittlerweile jeder fünfte Mensch mindestens eine Tätowierung haben soll, weiss die Wissenschaft immer noch wenig über die potenziell toxischen Auswirkungen der verwendeten Pigmente, insbesondere über ihre Wechselwirkungen mit dem Immunsystem. Wissenschaftler von der Università della Svizzera italiana haben zusammen mit internationalen Kollegen den Weg der Tinte im Körper anhand von Tiermodellen und menschlichen Proben analysiert, wobei der Schwerpunkt auf den drei am häufigsten verwendeten Farben lag: Schwarz, Rot und Grün.

Sie fanden heraus, dass die Tinte nach dem Auftragen einer Tätowierung schnell durch das Lymphsystem wandert und sich innerhalb weniger Stunden in grossen Mengen in den Lymphknoten ansammelt. Dort nehmen Makrophagen die Pigmente auf und lösen eine zweistufige Entzündungsreaktion aus: eine akute Phase, die etwa zwei Tage dauert, und eine oft jahrelange chronische Phase. Diese langanhaltende Entzündung kann das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Infektionen und Tumoren erhöhen. Die Studie zeigt auch, dass die Makrophagen nicht in der Lage sind, die Tinte abzubauen, was zu ihrem Absterben führt, insbesondere bei roten und schwarzen Pigmenten. Zudem scheint eine Tätowierung COVID-19-Impfungen zu beeinträchtigen. So wiesen tätowierte Mäuse nach der Impfung deutlich niedrigere Antikörperspiegel auf. Die Ergebnisse werfen wichtige Fragen zur Sicherheit von Tätowierungen und zum möglichen Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen, die durch Tinten verursacht werden, und anderen Krankheiten auf, so die Autoren.

Foto: ©natalialeb/AdobeStock

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