Sterbende Nervenzellen im Gehirn

Parkinson

TEXT: CHRISTIANE SCHITTNY, APOTHEKERIN

Morbus Parkinson ist eine chronische und fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns. In der Schweiz sind über 15 000 Menschen von dieser Krankheit betroffen.

Parkinson ist dadurch gekennzeichnet, dass verschiedene Nervenzellen, vornehmlich im Gehirn, ihre Funktion verlieren. Besonders betroffen ist die «Substantia nigra», eine Ansammlung von Nerven, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Das hat zur Folge, dass ein Dopaminmangel entsteht, der die Ursache für die typischen motorischen Symptome der Erkrankung darstellt. Doch auch andere Nervenzellen im Körper können betroffen sein und zu weiteren, nicht motorischen Symptomen führen.

Ursachen und Verlauf

Die genauen Ursachen der Parkinson-Erkrankung sind noch nicht vollständig verstanden. Man nimmt an, dass etwa zehn Prozent der Fälle auf genetische Mutationen zurückzuführen sind, doch meist spielt ein komplexes Zusammenspiel verschiedener anderer Faktoren eine Rolle. Dazu gehören negative Umwelteinflüsse und das Alter: Die meisten Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose über 60 Jahre alt. Männer erkranken zudem etwas häufiger als Frauen.

«Mehr als 15 000 Menschen in der
Schweiz leben mit Parkinson.»

Der Verlauf von Parkinson ist sehr individuell und beginnt meist schleichend. Die Beschwerden sind anfangs nicht immer eindeutig, was die Diagnose erschwert. Zu den typischen Symptomen zählen motorische Beeinträchtigungen wie Zittern, Gangstörungen, Krämpfe oder Verspannungen, aber auch andere Beschwerden wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit, chronische Verstopfung, Blasen- und Darmkontrollschwierigkeiten, Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände, kognitive Beeinträchtigungen bis hin zu Demenz und Riechstörungen können auftreten. Mit der Zeit schreitet die Krankheit fort und die Symptome verschlimmern sich. Die Lebenserwartung von Parkinson-Betroffenen ist mit derjenigen von Gesunden vergleichbar.

Motorische Symptome

Zu den «klassischen» Parkinson-Symptomen zählen:

  • Tremor: Unwillkürliches Zittern im Ruhezustand, häufig an den Händen oder Füssen zu beobachten. Bei gezielten Bewegungen lässt das Zittern nach.
  • Rigor: Muskelsteifheit durch erhöhten Muskeltonus, die zu einer eingeschränkten Beweglichkeit wie zum Beispiel kurzen Schritten führt.
  • Bradykinesie: Verlangsamung der Bewegungen und eingeschränkte Feinmotorik, die alltägliche Aktivitäten erschwert. Gehen und vertraute Handgriffe fallen schwerer, Mimik, Sprache und Gestik wirken monotoner.
  • Haltungsinstabilität: Schwierigkeiten beim Halten des Gleichgewichts, was eine erhöhte Sturzgefahr mit sich bringt.

Meilenstein in der Forschung

Bei Parkinson verklumpt das Protein Alpha-Synuclein im Gehirn, lagert sich dort ab und schädigt die Nervenzellen. Eine Studie aus dem Jahr 2023 klingt vielversprechend, denn durch die neuen Erkenntnisse könnte die Erkrankung bereits vor Ausbruch der motorischen Symptome erkannt werden. Das neue Verfahren, der sogenannte Alpha-Synuclein Seed Amplification Assay (SAA), ermöglicht den Nachweis des fehlgefalteten Proteins im Gehirnwasser, was ein früher Hinweis auf eine sich anbahnende Parkinson-Erkrankung sein könnte. Weltweit wird nun daran geforscht, einen Bluttest als Screeningmethode für Parkinson zu entwickeln. Eine frühe und klare Diagnose könnte eine adäquate Behandlung ermöglichen, schon bevor das Gehirn zu stark geschädigt ist und Symptome auftreten. Damit könnte man die Behandlung betroffener Patienten und Patientinnen deutlich verbessern.

Medikamentöse Therapie

Zur Behandlung von Parkinson werden meist dopaminerge Arzneimittel und zentrale Anticholinergika eingesetzt:

  • Levodopa ist ein Vorläufer von Dopamin und der am häufigsten verwendete Wirkstoff.
  • Dopamin-Agonisten stimulieren die zentralen Dopamin-Rezeptoren.
  • COMT-Inhibitoren hemmen den Metabolismus von Levodopa.
  • Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-B-Hemmer) verlangsamen den Dopamin-Abbau durch Hemmung der Monoaminooxidase.
  • NMDA-Antagonisten stellen das Gleichgewicht zwischen Glutamat und Dopamin wieder her.
  • Anticholinergika: Sie reduzieren den Überschuss an Acetylcholin im Gehirn, der durch den Verlust der Dopamin-produzierenden Nervenzellen entsteht.

Stimulationsverfahren

Als eine effiziente Behandlungsmethode bei Morbus Parkinson erweist sich die Tiefe Hirnstimulation (THS), insbesondere wenn die bewährte individuelle medikamentöse Therapie nach einigen Jahren nachlässt und die betroffenen Patienten unter starken körperlichen Beeinträchtigungen leiden. Die Methode basiert auf dem Einbringen von Elektroden ins Zentrum des Gehirns und der Beeinflussung der Nervenzellen durch elektrischen Strom. Die Kabel sind unsichtbar unter der Haut implantiert und mit einem Impulsgenerator verbunden. Die Behandlung hilft, Schwankungen in der Beweglichkeit zu reduzieren und erlaubt eine deutliche Reduktion der Medikamenteneinnahme und der damit verbundenen Nebenwirkungen.

Eine neuere Methode ist der fokussierte Ultraschall. Beim Parkinson-Tremor schaltet er gezielt die geschädigten Gehirnzellen aus, die das Zittern verursachen. Dafür werden gebündelte, hochenergetische Ultraschallwellen auf definierte, nur wenige Millimeter grosse Hirnregionen gerichtet und die Nervenzellen durch Erwärmung auf etwa 60 Grad Celsius verödet.

Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS / AdobeStock

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