Roter Sonnenhut

Mehr als eine schöne Blütenpflanze

TEXT: MARTIN SAURER

Der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea), auch Purpur-Sonnenhut oder Igelkopf genannt, wird als Zierpflanze in Parks und Gärten angepflanzt. Allerdings ist er weit mehr als eine schöne Blütenpflanze mit auffälliger Farbenpracht. Seit Jahrhunderten werden auch seine zahlreichen bioaktiven Substanzen geschätzt.

In der modernen Phytotherapie zählt der Rote Sonnenhut zu den am besten untersuchten Heilpflanzen. Seit Jahrhunderten wird er wegen seiner Heilwirkung genutzt. So können die Symptome von Erkältungserkrankungen gelindert werden; ausserdem wirken Inhaltsstoffe der Blütenpflanze immunregulierend, entzündungshemmend und antiviral.

Biologie

Der Rote Sonnenhut gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und stammt ursprünglich aus Nordamerika. Die ausdauernde, winterharte, krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 50 bis 120 Zentimetern. Sie besitzt aufrechte, verzweigte Stängel mit rau behaarten, lanzettlichen Blättern. Besonders charakteristisch ist der purpurfarbene, strahlenförmige Blütenkranz mit einem auffällig braunen Zentrum. Bereits der lateinische Name weist darauf hin: Echinacea leitet sich von echinos, also «Seeigel» ab und beschreibt die stachelig aussehenden Röhrenblüten. Purpurea bezieht sich auf die Farbe der Zungenblüten. Die Blütezeit reicht in Europa von Mai bis Oktober, während der die Pflanze viele Schmetterlinge und andere Insekten anlockt. Der Rote Sonnenhut bevorzugt sonnige Standorte mit durchlässigem, nährstoffreichem Boden. In den USA gedeiht er an felsigen Standorten, in offenen Wäldern und Prärien, meist in der Nähe von Gewässern. In einigen Regionen Europas wird die Heilpflanze kultiviert, zählt in anderen allerdings auch als Neophyt.

Geschichte

Die medizinische Nutzung von Echinacea reicht bis in die Zeit der nordamerikanischen Ureinwohner zurück. Diese verwendeten allerdings nicht nur den Roten Sonnenhut, sondern machten sich verschiedene Echinacea-Arten (so auch E. pallida und E. angustifolia) bei Infektionen, Schlangenbissen, Verbrennungen, Wunden und Entzündungen zunutze. Im 19. Jahrhundert wurde der Rote Sonnenhut in die Volksmedizin der europäischen Siedler aufgenommen und gelangte schliesslich auch nach Europa. Vor allem im deutschsprachigen Raum fand er Anfang des 20. Jahrhunderts als pflanzliches Immunstimulans Anwendung. Erst ab den 1980er-Jahren gewann der Rote Sonnenhut durch wissenschaftliche Studien in der Komplementärmedizin zunehmend an Bedeutung. Durch seine Rolle als Zierpflanze wurden inzwischen auch andersfarbige Sorten des Roten Sonnenhutes gezüchtet.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die pharmakologische Wirkung von Echinacea purpurea ist gut dokumentiert, teilweise aber nach wie vor umstritten. Hauptwirkstoffe sind Alkylamide, Kaffeesäurederivate (zum Beispiel Cichoriensäure), Polysaccharide sowie Glykoproteine. Diese Inhaltsstoffe wirken synergistisch und zeigen immunmodulierende, entzündungshemmende und antivirale Effekte. Der Rote Sonnenhut wirkt gegen die Symptome von Erkältungserkrankungen, es besteht jedoch kein Konsens über eine prophylaktische Wirkung. Die therapeutische Wirksamkeit hängt stark von der Pflanzensorte, der verwendeten Pflanzenteile, dem Alter der geernteten Pflanzen sowie der Extraktionsmethode ab. Somit können unterschiedliche Sonnenhutpräparate sehr unterschiedlich starke Wirkungen aufweisen.

Anwendung

Der Rote Sonnenhut ist als pflanzliches Arzneimittel in Form von Tropfen, Tabletten, Lutschtabletten, Sprays und Salben erhältlich. Eingesetzt wird er zur unterstützenden Behandlung bei Infekten der oberen Atemwege, zur Stärkung des körpereigenen Immunsystems sowie zur Unterstützung der Wundheilung. Die Anwendung erfolgt meist über lediglich kurze Zeiträume, die Verträglichkeit gilt als gut und bis jetzt wurden keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten dokumentiert. Echinacea-Präparate werden häufig komplementär mit anderen Medikamenten eingesetzt und können Gesundheit und Wohlbefinden auf schonende Weise unterstützen. Die richtige Anwendung und eine adäquate Dosierung sollten mit einer Fachperson besprochen werden.

Foto: orestligetka / AdobeStock

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