CEO im Gespräch

Rinaldo Just, Schwabe Pharma Schweiz

Autor: PHILIPP KISSLING

Serie: CEO im Gespräch – «Ich stelle mich und meine Arbeit regelmässig infrage»

Rinaldo Just über persönliche Eigenschaften, Schweizer Gepflogenheiten und das Medikament, das er gerne lancieren würde.

Wann ist ein Tag ein guter Tag?

Rinaldo Rust: Wenn ich mit Menschen den persönlichen Austausch pflegen kann. Ich bin auch froh, wenn ich auf der Pendenzenliste ein paar Häkchen machen kann. Sehr wichtig ist mir zudem die Selbstreflexion: Ich stelle mich und meine Arbeit regelmässig infrage. Nicht zuletzt muss auch Zeit sein für den täglichen Austausch mit meiner Familie, vor allem wenn ich unter der Woche in Küssnacht bleibe.

Inwiefern prägt Ihre Persönlichkeit die Unternehmenskultur?

Meine Mitarbeitenden würden wohl den direkten Zugang zu mir erwähnen, ich bin umgänglich und pflege den persönlichen Kontakt. Ausserdem formuliere ich transparent unsere Ziele, sodass die Mitarbeitenden sich über ihren persönlichen Beitrag klar werden und sich äussern können, wenn sie nicht einverstanden sind. Eine weitere Eigenschaft von mir ist, dass es mir leichtfällt, jemanden zu loben, denn Wertschätzung ist wichtig. Im Gegenzug scheue ich mich nicht davor, direkt zu äussern, wenn ich etwas nicht gut finde.

Welche Mittel aus dem Schwabe-Sortiment halfen Ihnen durch den Winter?

Als regelmässiger Saunagänger bin ich kein guter Kunde von Apotheken und Drogerien. Wenn ich doch bronchiale Beschwerden oder Anzeichen von Erkältungssymptomen feststelle, zähle ich auf unser Phytopräparat Umckaloabo und Dr. Schüssler Salze von Omida.

Selbstreflexion ist mir sehr wichtig

Rinaldo Just, Schwabe Pharma

Worauf stehen die Schweizerinnen und Schweizer?

Pflanzliche Arzneimittel geniessen in der Schweizer Bevölkerung eine starke Rückendeckung. Insbesondere spüren wir das beim Ginkgo-Arzneimittel Tebofortin, das die Durchblutung des Gehirns fördert, oder Refluctan gegen Magenbrennen, das wir vor zwei Jahren lancierten. Hohe Akzeptanz herrscht auch gegenüber unseren Dr. Schüssler Salzen.

Was befindet sich in der Schwabe-Pipeline?

Im Hintergrund laufen einige Projekte, mehr kann ich noch nicht verraten. Wir orientieren uns stark an den sich verändernden Konsumentenbedürfnissen, indem wir zum Beispiel von einem Arzneimittel wie Umckaloabo verschiedene Darreichungsformen entwickeln, vom Konzentrat über Sirup oder Tabletten bis hin zum Granulat.

Wie lange dauert es, bis ein Medikament «erfunden» ist?

Abhängig von der Ausgangslage rund zehn Jahre. Aktuell publizierte Daten zeigen, dass unser spezielles Lavendelöl Silexan einen positiven Effekt bei Depressionserkrankungen zeigt. Die Schwabe-Gruppe startete dazu eine eigene Forschung. Es wird allerdings noch einige Jahre dauern, bis ein allfälliges Arzneimittel eine entsprechende Zulassung erlangt.

Welches Medikament möchten Sie gerne entwickeln?

Ein pflanzliches Präparat in Form eines Drinks, das den gleichen Hype auslöst wie zuletzt die Abnehmspritzen.

Inwiefern bietet die Schweiz gute Voraussetzungen für Ihre Branche?

Die Schweiz bietet etablierte Zulassungsprozesse und einen guten Austausch mit den Behörden. Um erfolgreich zu sein, müssen aber in erster Linie unsere Produkte und Dienstleistungen überzeugen. Das Beispiel Refluctan zeigt, dass mit einem gezielten Markenaufbau auch in einem umkämpften Markt Erfolg möglich ist. Mit Refluctan waren wir nicht die Ersten, aber die «ersten Besten» mit einem pflanzlichen Arzneimittel gegen Magenbrennen.

In einem Interview vor einigen Jahren sagten Sie, dass Sie gerne mit einem «Fingerschnipp» ein neues Gesundheitssystem konzipieren möchten.

Im Gesundheitssystem ist der Föderalismus, wie wir ihn pflegen, nicht mehr zeitgemäss. Wir müssen die Spitalplanung auf der «grünen Wiese» neu denken. In meiner Vision arbeiten zudem alle Leistungserbringer eng und zum Wohl der Menschen zusammen. Optimierungspotenzial besteht sicher auch bei der Anzahl der Krankenversicherungen.

Zur Person

Rinaldo Just, Jg. 1972, begann seine Laufbahn nach dem Abschluss des Betriebswirtschaftsstudiums bei Unilever. Erste Erfahrungen mit dem damals neuen Begriff Functional Food – konkret: der positive Effekt einer Margarine auf den Cholesterinwert – weckten sein Interesse für das Gesundheitswesen. Via Rausch und einem Master in Managed Healthcare fand er den Zugang zu den Apotheken, aus deren Sicht er dann während mehr als zehn Jahren bei der heutigen Medbase Gruppe tätig war. Just ist seit vier Jahren Managing Director des Schweiz-Geschäfts von Schwabe Pharma in Küssnacht am Rigi. Der gebürtige Bündner ist verheiratet, Vater zweier Kinder im Alter von 18 und 15 Jahren und wohnt mit der Familie in Wiesendangen.

Schwabe Pharma in Kürze

Das Familienunternehmen wurde 1866 in Leipzig von Dr. Willmar Schwabe gegründet. Es verschrieb sich der Erforschung und Herstellung pflanzlicher Arzneimittel, von Dr. Schüssler Salzen sowie homöopathischen Arzneimitteln und beschäftigt heute weltweit mehr als 4000 Mitarbeitende. Schwabe baut die Arzneipflanzen selbst an und investiert jährlich mehr als 35 Millionen Euro in die Forschung.

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