Aminosäuren

Methionin, das Schwefelhaltige

Autor: KLAUS DUFFNER

Die schwefelhaltig Aminosäure Methionin ist in der Lage, in den Harnwegen ein bakterienschädliches, saures Milieu herzustellen. Dies wird bei der Behandlung von Harnwegsinfektionen medikamentös genutzt. Die Versorgung mit Methionin über die Nahrung ist normalerweise gesichert.

Methionin (C₅H₁₁NO₂S) ist eine schwefelhaltige essenzielle Aminosäure, die vom Körper nicht selbst hergestellt werden kann. Deshalb ist die Aufnahme über die Nahrung von grosser Bedeutung. Als Bestandteil zahlreicher Proteine ist Methionin unerlässlich für sehr viele physiologische Prozesse.

Donator für Methylgruppen

Das Besondere der chemischen Struktur von Methionin ist das integrierte Schwefelatom in der Seitenkette zwischen der CH2- und CH3-Gruppe. Neben Cystein ist Methionin die einzige schwefelhaltige Aminosäure, die als Baustein für die Bildung verschiedener wichtiger Proteine dient. Methionin ist überdies ein Lieferant von so genannten Methylgruppen (–CH3). Diese werden beispielsweise für die Biosynthese von Cholin, Kreatin, Adrenalin, Carnitin, Nukleinsäuren, Histidin, Taurin und Glutathion gebraucht.

Ein Schlüsselprodukt im Stoffwechsel von Methionin ist S-Adenosylmethionin, kurz SAM, das wiederum durch die Methylierung anderer Substrate zu S-Adenosylhomocystein (SAH) überführt und anschliessend zu Adenosin und Homocystein hydrolysiert wird. S-Adenosylmethionin ist aber nicht nur der bedeutendste Methylgruppendonator für viele Synthesen, sondern auch an Entgiftungsreaktionen im Stoffwechsel beteiligt.

Zudem spielt Methionin bei der Abwehr vorn bakteriellen Infekten der Harnwege eine Rolle. Manche Antibiotika entfalten ihre optimale Wirkung nämlich nur in saurem Milieu. Bei bakteriellen Infektionen im Harntrakt wird der Urin allerdings oft alkalisch, was wiederum die Wirkung der verabreichten Antibiotika reduzieren kann. Der in Methionin enthaltene Schwefel führt zur Bildung von Sulfat, das über die Nieren ausgeschieden wird. Dabei werden Protonen in den Harn entlassen, wodurch dieser angesäuert wird. Die Folge: Das Anheften der Bakterien an die Urothelzellen sowie das Wachstum der Mikroben werden gehemmt. Deshalb wird Methionin häufig zusammen mit den Antibiotika verabreicht.

Gegen Harnwegsinfekte und Nierensteine

Für den Erhalt der körpereigenen Proteine (zum Beispiel in den Muskeln) wird eine Methioninmenge von 10 bis 13

Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag angegeben. Bei deutlich höheren Mengen wird der Überschuss vom Körper abgebaut. Dieser Effekt wird medizinisch genutzt. Denn, wie bereits erwähnt, säuern bei medikamentöser Gabe von Methionin die entstehenden Protonen den Harn an, was für die Behandlung von Harnwegsinfektionen von Vorteil ist. Auch die Bildung von Nierensteinen wird durch einen geringeren pH-Wert des Harns gebremst. Methionin kommt aber auch bei der parenteralen Ernährung über Infusionslösungen immer wieder zum Einsatz.

In vielen Nahrungsmitteln

Bei ausgewogener Ernährung ist bei gesunden Menschen die Versorgung mit Methionin normalerweise gesichert. Die Aminosäure kommt in der so genannten L-Form in sehr vielen Lebensmitteln vor, wobei tierische Produkte höhere Konzentrationen aufweisen. Gute Quellen sind Fleisch und Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte, Milchprodukte und Eier. Als pflanzliche Quellen kommen Nüsse, Samen, Sojaprodukte, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte infrage. Sie enthalten Methionin in geringeren Mengen als tierische Produkte. Bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Vegetarier und Veganer, Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen sollten auf eine ausreichende Methioninzufuhr achten.

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