Linde
Heilpflanzen
TEXT: MARTIN SAURER
Seit über zwei Jahrtausenden werden Linden von Menschen genutzt und geschätzt, früher wurden sie gar als heilige Bäume verehrt. Die Pflanze blickt auf eine lange Kulturgeschichte zurück und dient währenddessen nicht nur als Rohstoff, sondern auch als weit verbreitetes Heilmittel.
Lindenblüten haben sich besonders bei Erkältungen einen festen Platz in der Hausmedizin gesichert. Die Blüten sind im Sommer gut verfügbar, deren Anwendung ist spielend leicht und risikoarm. Dabei lindern die Inhaltsstoffe viele lästige Symptome und können ausserdem von beschwerdefreien Menschen als Aufguss genossen werden.
Biologie
Als Linden werden Bäume bezeichnet, die zu der Pflanzengattung Tilia in der Familie der Malvengewächse gehören. Da sich viele Lindenarten nur unwesentlich unterscheiden, wird von 20 bis 45 Arten gesprochen. In Mitteleuropa sind die Sommer- (Tilia platyphyllos) und Winterlinde (Tilia cordata) häufig, auch in ihrer Anwendung als Heilpflanze sind sie vergleichbar.
Linden sind sommergrüne Laubbäume mit herzförmigen Blättern. Je nach Art können sie zwischen 15 und 40 Metern hoch werden, alte Exemplare werden auf rund 1000 Jahre geschätzt. Die Blütezeit liegt zwischen Juni und Juli. Mindestens drei kleine, weissliche bis gelbliche Blüten sind mit einem auffälligen Blatt verwachsen, das den Früchten als Flügel dient. Die duftenden Blüten locken unter anderem Honigbienen an, die den Nektar sammeln und zu aromatischem Lindenhonig verarbeiten.
Alle Linden gedeihen in gemässigten bis subtropischen Zonen in Mitteleuropa und Westasien. Dort können sie kleinflächige Mischwälder bilden, da sie sich meist vegetativ vermehren. Auch sind Linden in Parks, Alleen, Siedlungsgebieten und alten Dorfkernen zu finden, was auf die lange Kulturgeschichte hinweist.
Geschichte
Bereits in vorchristlicher Zeit wurden Linden als Bäume der Gemeinschaft, des Friedens und der Rechtsprechung gesehen. Unter Dorflinden fanden Versammlungen, Feste, Frühlingstänze, Brautschauen und Rechtsprechungen statt. Deshalb sind noch heute uralte Linden in so manchem Dorfkern zu finden, die an ihre gesellschaftliche Bedeutung erinnern. Allerdings kam den Linden auch eine wichtige Rolle als Rohstoff zu. Aus den zähen Bastfasern wurden Seile, Matten, Taschen und Bekleidung gefertigt, während das weiche Holz bei Schnitzereien zum Einsatz kam. Des Weiteren werden Lindenblüten seit vielen Jahrhunderten als Heilmittel gegen Erkältungen, Husten und fieberhafte Erkrankungen eingesetzt, weshalb ebenfalls in den meisten Klostergärten grosse Linden zu finden sind.
Inhaltsstoffe und deren Wirkung
In Lindenblüten sind Schleimstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl und Gerbstoffe enthalten. Schleimstoffe wirken reizlindernd und befeuchtend als auch schützend für Schleimhäute. Flavonoide können dazu beitragen, die Blutgefässe zu schützen, während ätherische Öle antimikrobiell, durchblutungsfördernd und krampflösend wirken. Neben ihrer antioxidativen Eigenschaft sind Gerbstoffe darüber hinaus blutstillend, entzündungshemmend, juckreizlindernd und antimikrobiell. Lindenblüten werden traditionell reizlindernde und schweisstreibende Eigenschaften zugeschrieben, von denen letztere heute allerdings umstritten ist.
Anwendung
Meist werden Lindenblüten während einigen Minuten Ziehzeit in heissem Wasser als Aufgussgetränk zubereitet. Einst wie heute werden dabei viele pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffe gelöst. Angewendet werden Lindenblüten bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Erkältungen sowie bei Husten. Dabei werden die entzündungshemmenden, reizlindernden und befeuchtenden Eigenschaften genutzt. Lindenblüten dienen hauptsächlich zur Linderung von Erkältungssymptomen, oft in Kombination mit weiteren Medikamenten. Nebenwirkungen sind nicht bekannt, Lindenblüten gelten als sehr gut verträglich. Deshalb werden sie in vielen Kräutermischungen auch als Genussmittel verwendet.
Foto: ©FotoHelin/AdobeStock

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