Engagement ohne Entgelt

Freiwilligenarbeit

TEXT: JÜRG LENDENMANN

Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung engagiert sich freiwillig für eine Aufgabe in der Gesellschaft. Der Freiwilligen-Monitor Schweiz 2025 hat das wertvolle Engagement umfassend analysiert.

Viele freuen sich auf die Pensionierung, da sie dann endlich all das nachholen können, wofür ihnen früher die Zeit gefehlt hat: geliebte Menschen treffen, Ausflüge unternehmen, Bücher lesen, eine Sprache lernen und manches mehr. Nach kurzer Zeit im «Ruhestand» merken viele, dass ihnen trotzdem noch Zeit bleibt, sich auf irgendeine Weise sinnvoll zu engagieren. Und das, ohne dass dabei finanziell etwas herausspringt. So wird eine Pensionierte vielleicht zwei Tage pro Woche ihre Enkelkinder hüten, damit ihre Tochter wieder Teilzeit in ihrem Beruf tätig sein kann. Ein Rentner steigt beim Fahrtdienst TIXI für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein. Eine dritte Person erklärt sich bereit, das Präsidium des lokalen Nordic-Walking-Vereins für ältere Menschen zu übernehmen – ehrenamtlich.

Dass sich Pensionierte tatsächlich besonders gerne freiwillig engagieren, zeigt ein Ergebnis des fünften Freiwilligen-Monitors Schweiz 2025: «Menschen kurz nach dem Pensionsalter leisten am meisten Freiwilligenarbeit. 63 Prozent der 65- bis 74-Jährigen engagieren sich informell freiwillig.»

Freiwilligen-Monitor Schweiz 2025

Der Freiwilligen-Monitor Schweiz 2025 der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) liefert eine ausführliche Analyse der Freiwilligenarbeit in unserem Land. Online befragt wurden rund 5000 Personen im Alter ab 15 Jahren zu ihrem freiwilligen Engagement, zu ihren Motiven und Zielen, aber auch zu Hindernissen, Chancen und Folgen von Freiwilligenarbeit.

Die Freiwilligenarbeit wurde dabei anhand von fünf Kriterien gegenüber anderen Tätigkeiten abgegrenzt:

  1. Unentgeltlichkeit.
  2. Die Aktivität erbringt einen Nutzen für eine andere Person. Zur Unterscheidung von Aktivitäten, die zum eigenen Nutzen oder Vergnügen ausgeübt werden, dient das «Drittpersonen-Kriterium», wonach die Aktivität an eine dritte Person gegen Bezahlung übertragen werden könnte.
  3. Nutzniessende sind nicht Personen, die im eigenen Haushalt leben.
  4. Freiwilligkeit.
  5. Gemeinwohlorientierung.

Während formelle Freiwilligenarbeit im Rahmen von Vereinen, Organisationen oder öffentlichen Einrichtungen (zum Beispiel Alterszentren) erfolgt, findet informelle Freiwilligenarbeit ausserhalb eines organisatorischen Rahmens statt.

66 Prozent leisten Freiwilligenarbeit

Der Menge der geleisteten freiwilligen Engagements ohne Bezahlung ist beeindruckend: «86 Prozent der Schweizer Bevölkerung engagieren sich im Laufe eines Jahres in irgendeiner Form freiwillig. 66 Prozent leisten Freiwilligenarbeit. 41 Prozent der Bevölkerung tun dies formell in Vereinen und Organisationen. 51 Prozent leisten informelle Freiwilligenarbeit, indem sie Betreuungs- und Pflegeaufgaben sowie verschiedene Helferdienste übernehmen. 53 Prozent spenden Geld für einen gemeinnützigen Zweck.»Vor der Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit anderer Länder braucht sich Schweiz nicht zu verstecken, im Gegenteil: «Im internationalen Vergleich zeichnet sich die Schweiz durch ein hohes Mass an freiwilligem Engagement aus. Zusammen mit den nordeuropäischen Ländern wie – Norwegen, Dänemark oder Schweden sowie den Niederlanden nimmt die Schweiz sowohl bei der formellen als auch bei der informellen Freiwilligenarbeit einen Spitzenplatz innerhalb Europas ein.»

Der «Lohn» der Freiwilligenarbeit

Dass unentgeltliches Engagement sich auf vielerlei Weise auszahlt, fasst die Untersuchung wie folgt zusammen: «Mit einem freiwilligen Engagement hilft man nicht nur anderen, sondern auch sich selbst. Die Freude an der Tätigkeit und der persönliche Gewinn sind bei der Freiwilligenarbeit genauso wichtig wie der Wunsch, anderen zu helfen. Spass steht klar vor Pflicht.

Bei der Freiwilligenarbeit kommt man mit anderen Menschen zusammen, kann mit Gleichgesinnten etwas bewegen und bewirken, erhält Wertschätzung und Anerkennung und kann sich weiterentwickeln. Dies gilt für die formelle Freiwilligenarbeit noch mehr als für die informelle Freiwilligenarbeit.»

Wer nach der Lektüre der umfangreichen Untersuchung (s. Quelle) Lust verspürt, sich erstmals freiwillig zu engagieren oder sein Engagement zu erweitern, findet in der Box «Lust auf Freiwilligenarbeit?» hilfreiche Links.

Lust auf Freiwilligenarbeit?

  • benevol Schweiz ist die Dachorganisation der Fach- und Vermittlungsstellen für Freiwilligenarbeit. Über 2000 Organisationen in der Schweiz sind über Mitgliedschaften mit benevol verbunden. benevol.ch
  • Das Dossier freiwillig engagiert zeichnet unentgeltliches, freiwilliges und ehrenamtliches Engagement aus. Das nationale Qualitätslabel mit Wiedererkennungseffekt stärkt den Wert von freiwilligem Engagement als wichtige Ressource für die Gesellschaft. dossier-freiwillig-engagiert.ch

«Freiwilliges Engagement ist eine Quelle der Stärke einer Gemeinschaft, ihrer Belastbarkeit, ihrer Solidarität und des sozialen Zusammenhalts. Engagement bringt positive soziale Veränderung durch das Respektieren von Verschiedenheit und Gleichberechtigung sowie durch die Teilhabe aller Personen. Engagement gehört zu den vitalsten Werten einer Gesellschaft.» –Ban Ki-moon, ehem. Uno-Generalsekretär

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