Serie Heilpflanzen
Kapuzinerkresse und Meerrettich
Autor: Redaktion
Senfölglykoside – auch Glucosinolate genannt – sind typisch für die Pflanzenordnung der Kreuzblütler. Wird ihr Gewebe verletzt, bildet ein Enzym aus den charakteristischen Inhaltsstoffen die scharfen, reizenden Senföle (Isothiocyanate) – als Schutz vor Pflanzenfressern. Für den Menschen haben sich die Senföle als heilsam erwiesen.
Zu den wichtigsten Arzneipflanzen, die wegen der medizinischen Wirkung der Senföle genutzt werden, gehören die Grosse Kapuzinerkresse und der Meerrettich.
Kapuzinerkresse
Sie klettert an Mauern empor oder kriecht am Boden entlang: die Grosse Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus), deren Blüten an die Kapuzen von Mönchskutten erinnern. Mönche wie der Jesuit Bernabé Cobo (1582–1657) beschrieben die ursprünglich aus Südamerika stammende Pflanze, die von den Inkas vor allem als Schmerz- und Wundsalbe verwendet wurde. Noch heute wird die Pflanze in der Volksmedizin der südamerikanischen Ureinwohner gegen eine Vielzahl von Krankheiten eingesetzt, unter anderem bei Husten und Bronchitis.
In Europa wurde die Grosse Kapuzinerkresse wegen ihrer schönen, leuchtenden Blüten zunächst als Gartenpflanze angebaut, im 18. Jahrhundert – vermutlich wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts – gegen Skorbut eingesetzt.
Die Grosse Kapuzinerkresse wurde vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gekürt. Verantwortlich für die Heilwirkung der Pflanze sind ihre Senföle (Benzylisothiocyanat). Durch das Enzym Myrosinase werden diese aus den scharf und bitter schmeckenden Senfölglykosiden (Glucotropaeolin) gespalten. Bereits Studien aus den 1950er-Jahren zeigten: Senföle können die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen hemmen; ausserdem können sie durchblutungsfördernd wirken. Aufgrund dieser Eigenschaften wird die Kapuzinerkresse seit Jahrzehnten zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegs- und Harnwegsinfektionen eingesetzt.
Meerrettich
Der Meerrettich (Armoracia rusticana) stammt ursprünglich aus der Ukraine und angrenzenden Gebieten. Die Pflanze wird seit Jahrhunderten angebaut. Meerrettich wird nicht nur als Gemüse oder Gewürz, sondern auch als Heilpflanze verwendet.
Früher wurde die Meerrettichwurzel wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts und ihrer guten Haltbarkeit gegen Skorbut eingesetzt. Medizinisch bedeutsamer sind – wie bei der Kapuzinerkresse – die enthaltenen Senfölglykoside wie Sinigrin und Gluconasturtiin. Wird die Wurzel verletzt oder angeschnitten, wird das Enzym Myrosinase freigesetzt, das die Senfölglykoside in Senföle (Allylisothiocyanate) umwandelt – Scharfstoffe, mit denen sich der Meerrettich vor Pflanzenfressern schützt. Diese Senföle wirken nachweislich antibakteriell und antiviral. Meerrettich hat zudem entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Eigenschaften. Heute wird die Meerrettichwurzel unter anderem bei Entzündungen der Atem- und Harnwege eingesetzt.
Bewährte Kombination
Kapuzinerkresse und Meerrettich werden gerne kombiniert. «Gross angelegte Studien in den letzten Jahren sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Kraut der Kapuzinerkresse zusammen mit Meerrettichwurzel bei Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis und akuter Blasenentzündung wirksam und gut verträglich ist», schreibt der Studienkreis. «Seit 2010 durchgeführte Untersuchungen legen sogar eine hemmende Wirkung bei dem Influenzavirus H1N1 nahe.»
Quellen
pharmawiki.ch, presse.uni-wuerzburg.de, wikiwand.com, zeller.ch

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